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Patrick Stewart
Ein Captain und sein Leben:
Patrick Stewart, Captain der Enterprise in „Star Trek: The Next Generation”, Darsteller des Professor Xavier im Kino-Erfolg “X-Men“, TV-Star in „Moby Dick“ als Captain Ahab sowie bekannter Shakespeare-Darsteller und Bühnen-Schauspieler stellte sich am 18.4.2002 den Fragen der Presse. Wir waren vor Ort:
Patrick Stewart wurde zunächst gefragt, was er damals in den drei Tagen gemacht habe, die er Entscheidungszeit für oder gegen die Rolle des Captain Picard gehabt hatte. Was hat damals den Ausschlag für ihn gegeben, die Rolle anzunehmen?
Patrick Stewart antwortete, dass es in Wirklichkeit fünf Tage gewesen seien, in denen er sich sehr herumgequält habe. Er war eines Montagsmorgen sehr früh zum Casting gekommen und bereit gewesen, alles zu tun, was man von ihm erwartete. Als er aber erfuhr, dass der Vertrag ihn bei Erfolg der ersten Season von „Star Trek: The Next Generation“ für insgesamt sechs Jahre binden würde, war er entsetzt. So eine lange Verpflichtung wollte er niemals eingehen. Er hatte viele andere Pläne und viel zu tun! Während der Bedenkzeit sagten ihm dann aber eine ganze Reihe von glaubwürdigen Kennern der Szene, dass es unmöglich wäre, dass eine Wiederbelebung der klassischen und sehr beliebten Star Trek-Serie aus den 60ern klappen würde. So etwas hatte es mit Erfolg zu der Zeit in den USA noch nicht gegeben. Somit würde es höchstens zwei Seasons geben, und er solle sich keine Sorgen um utopische sechs Jahre machen. Also hat er damals unterschrieben. Dann wurde die Serie aber von Season zu Season erfolgreicher, und schließlich waren es sieben Jahre! Hätte er das damals schon gewusst, dann hätte er nicht mitgemacht! So aber hat Star Trek sein Leben und seine Karriere deutlich verändert. Und er hat wichtige Erfahrungen dabei gemacht!
Welches sei seine Lieblingsrolle bisher gewesen?
Patrick Stewart sagte, für einen Schauspieler sei im Grunde stets die aktuelle Rolle die Wichtigste.
Natürlich habe ihm die Rolle des Jean-Luc Picard bei Star Trek internationale Anerkennung verschafft, aber er sei eigentlich Schauspieler geworden, um am Theater auf der Bühne zu stehen, und nicht um TV- und Kinofilme zu machen.
Er habe vor drei Jahren am Set von „X-Men“ eines Tages in seinem Wohnwagen gesessen und sich gefragt, was ihn im Leben eigentlich wirklich glücklich machte. Ihm sei dabei klar geworden, dass es genau zwei Punkte sind: Seine Verlobte, Produzentin von TNG ab Season Zwei, die er nun endlich heiraten sollte, und die Theater-Schauspielerei, der er sich wieder mehr zuwenden sollte.
In den nächsten 15 Monaten würden zwar nicht viele Theater-Auftritte anstehen, danach aber wieder Aufführungen in London. Es soll noch viel Shakespeare in seinem Leben geben. Zwar ist er mit 61 Jahren heute zu alt für Hamlet und Romeo, aber es gäbe bei Shakespeare nun andere interessante Parts, für die er jetzt allmählich in Frage komme. Und dieses Hineinwachsen in verschiedene Rollen sei ja schließlich mit das Interessanteste am Schauspielerdasein!
Was war Ihr eindruckvollstes Erlebnis als Schauspieler.
Patrick Stewart antwortete, dass er einmal einen Violine-Spieler in einem Symphonie-Orchester habe spielen müssen, und das sei für ihn als Musikliebhaber einfach großartig gewesen!
Eine andere besondere Erfahrung sei es gewesen, dass seine acht Wohltätigkeitsaufführungen von Charles Dickens „A Christmas Carol“ so ein fantastischer Erfolg gewesen waren: Alle Vorstellungen waren ausverkauft gewesen, und es wurden insgesamt über 900.000 Dollar eingenommen. Dieses viele Geld hatten alles Leute bezahlt, um ihn zu sehen, wie er inmitten von einigen wenigen Möbelstücken auf der Bühne agiert. Diese Erkenntnis wäre für ihn unglaublich überwältigend gewesen! -
Ist er ein Vorbild, gerade auch für Jüngere?
Darauf antwortete Patrick Stewart, dass er selbst sich nicht gern als Vorbild sieht, und sein Privatleben von seinem Beruf getrennt gesehen haben möchte.
Als TV-Schauspieler käme man natürlich – anders als Bühnenmimen – direkt in die Wohnzimmer der Leute nach Hause, was einiges anders mache, besonders bei einer Serie wie Star Trek, die ja durchaus moralische Werte transportiert. Er hatte als Jean-Luc Picard die Gelegenheit, Dinge, an die er selbst fest glaubt und die er für die Gesellschaft für wichtig hält, durch den Captain sagen zu lassen. Das sei besonders in den letzten Seasons geschehen. Seine eigene Leidenschaft für Shakespeare und demokratische Institutionen in der Welt seien eingeflossen. Er hoffe schon, gerade für jüngere Menschen, auf diesem Wege ein ehrliches, faires, nachdenkliches und kreatives Individuum geschaffen zu haben, um sie zu inspirieren.
Wenn er eine Technologie aus Star Trek in die heutige Zeit mitnehmen könnte, welche wäre das?
„Das wäre eine schwierige Entscheidung zwischen zwei Erfindungen!“ sagte Patrick Stewart schmunzelnd. Er würde sich entscheiden müssen zwischen dem Transporter, der ihm ja auch besonders bei dieser Promotion-Tour würde helfen können, bei der er gestern in London war, morgen in Amsterdam und dann nach Paris und New York und wieder zurück nach Paris würde reisen müssen, und dem Replikator. So etwas würde es sicher bald schon geben.
Er sei ja ein besonderer Tee-Freund, und ihm gefiele die Vorstellung, wenn er morgens liegen bleiben könnte und aus dem Bett heraus einfach „Earl Grey Hot“ bestellen könnte. Und er würde keinen Finger rühren müssen, um ihn sofort zu bekommen! Ja, das sei wohl seine Wahl!
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Zum Schluss wurde er auf die Promotion-Tour zur DVD-Veröffentlichung von Star Trek: The Next Generation angesprochen.
Er sagte, dass es so eine Veröffentlichung wie diese auf DVD noch niemals gegeben habe und in dieser ersten Season damals über die Folgen hinweg erst der Weg gefunden werden musste, das Fundament für The Next Generation zu legen. Insofern ist die Erste-Season-Box schon ein ganz wichtiges Dokument ihrer Arbeit, wie all die nachfolgenden Boxen auch, die den Weg dann festhalten! Er sei stolz auf die gemeinsam mit seinen Kollegen geleistete Arbeit und die schöne Form, die das nun bekommen hat.
Der britische Schauspieler wurde am 13. Juli 1940 in Mirfield geboren,
einer kleinen Stadt im idyllischen Yorkshire.
Und obwohl er in sehr bescheidenen Verhältnissen aufwuchs, die dadurch
noch verstärkt wurden, dass die Zeiten im und auch nach dem Zweiten Weltkrieg
äußerst hart waren, war es gar nicht mal so unwahrscheinlich, dass Patrick
seinen Weg zu einer sehr erfolgreichen Schauspielerkarriere finden würde:
Eine Besonderheit, die Mirfield zu bieten hatte, war nämlich, dass die
Stadt
insgesamt zwölf (!) verschiedene Theaterclubs hatte. Ein großer Teil der
Einwohner war dort engagiert und Patrick stellte fest, dass ihm das
Schauspielen einen guten Grund gab, sich von zu Hause abzusetzen und dem
dort tristen Alltag zu entfliehen. Auf der Bühne konnte er das darstellen
und tun, was für ihn im normalen Leben nicht möglich war.
Patrick spielte häufig in mehreren Stücken bei verschiedenen Clubs zur
gleichen Zeit und es war von Anfang an zu erkennen, dass er hochtalentiert
war.
Und so bekam er später auch ein Stipendium an einer renommierten
Schauspielschule - und nach seinem erfolgreichen Abschluss sofort ein
Engagement. Er spielte auf den verschiedensten Bühnen englischer Theater,
bis er 1966 sogar Mitglied bei der RSC (Royal Shakespeare Company) wurde.
Schwerpunkt von Mr. Stewarts Karriere war die ersten zweieinhalb
Jahrzehnte eindeutig das Theater. Fernsehen und Kino spielten in seinem Berufsleben
eine absolut untergeordnete Rolle, nennenswert ist hier aber sicher seine
Rolle als Gurney Halleck in der ersten Verfilmung von Frank Herberts
"Dune - Der Wüstenplanet" und seine Darstellung des Leondegrance in "Excalibur"
von Regisseur John Boorman. Auch spielte er in "Lady Jane" an der Seite von
Helena Bonham Carter.
War Stewart auch bis Ende der 80er Jahre in der Theaterwelt ein bekannter
Künstler, der für seine Arbeit Preise und Auszeichnungen bekommen hatte,
so bekam seine Karriere erst durch die Figur des Jean Luc Picard in ST: TNG
den ganz großen Schub, der ihn bis in Top 100 der bestbezahlten Schauspieler
Hollywoods katapultierte, so bekam er für den Kinofilm ST: Nemesis 15 Mio.
Dollar.
Abgesehen von seiner Rolle des französischen Enterprise-Captains konnte
Stewart seine Bekanntheit im Showbusiness weiter ausbauen:
Er spielte Prof. Xavier in X-Men 1 und 2 (und wird auch im dritten Teil
wieder dabei sein), war an der Seite von Julia Roberts und Mel Gibson in
"Fletchers Visionen" zu sehen, spielte einen schwulen Innenarchitekten in
"Jeffrey", sowie Captain Ahab in der Neuverfilmung von "Moby Dick". Er
wagte sich sogar an eine Neuauflage von "Der Löwe im Winter" heran, jene
legendäre Verfilmung mit Katharine Hepburn und Peter O'Toole. Patrick selbst ist in
der Rolle von Heinrich II. zu sehen, mit Glenn Close als Eleonore von
Aquitanien.
Ein weiteres ungewöhnliches Projekt, das bereits im US-Fernsehen zu sehen
war, ist eine von ihm produzierte Verfilmung des Shakespeare Stücks "King
Lear"; die Verfilmung spielt im Texas des 19. Jahrhunderts und heißt "King
of Texas", ebenfalls mit Stewart in der Hauptrolle.
Fotos: Klaus Wittmack, Bernd Timm