www.Fantastik-online.de -> Interviews
Auge in Auge mit der Borg-Queen
WARP-online im Banne von Alice Krige!
Ja,
wir wurden assimiliert. Und zwar total!
Auf der NEXUS-Con in Berlin konnten wir am Samstag, den 3.11.2001 ein
Gespräch mit der Frau führen, die Data fast zum Durchbrennen gebracht
hätte.
Die charismatische Schauspielerin Alice Krige gab Presse-Interviews.
Alice Krige, die ihren Nachnahmen übrigens selbst "Kriege" ausspricht,
wurde am 28. Juni 1954 in Upington, Südafrika, geboren. Ursprünglich
wollte sie gar nicht Schauspielerin, sondern erst lieber Tänzerin,
später Psychologin werden, wie ihre Mutter. In England brach sie das
Psychologie-Studium dann aber doch ab, und besuchte die Central School of
Speach and Drama. Ihren ersten offiziellen Auftritt hatte sie 1980 in der
TV-Bearbeitung von Charles Dickens' "A Tale of Two Cities". Bereits ein Jahr
später gewann sie am West End Theatre mit ihrem ersten Bühnenauftritt
in Berhard Shaw's Stück "Arms and the Man" den Laurence Olivier Award
als beste Nachwuchsschaupielerin! Und noch ein Jahr später spielte sie
schon in der Royal Shakespeare Company in Stücken wie "King Lear", "The
Tempest" oder "Cyrano de Bergerac". Mitte der Achziger Jahre kehrte sie zum
Film und zum Fernsehen zurück und trat in einer Folge von sehr
ungewöhnlichen Filmen auf. 1996 bekam sie die Rolle der Borg-Königin
in dem Star Trek-Kino-Film: "First Contact", zu der sie im Jahr 2001 für
die Abschluss-Episode von "Star Trek: Voyager", "Endgame" zurückkehrte.
(Die bisherige TV-Borg-Queen Susanna Thompson hatte aus terminlichen
Gründen nicht zur Verfügung gestanden).
Ja, diese ungewöhnliche Frau hatte bestimmt eine Menge Interessantes
zu erzählen, dachten wir uns. Und wir wurden nicht enttäuscht...
Alice Krige betrat pünktlich zur verabredeten Zeit um 18 Uhr den
Interviewraum im ersten Stock des Fontanehauses Berlin. Hier wurde sie schon
von einer Gruppe von Reportern erwartet, die sich aus Vertretern von Zeitungen
und Zeitschriften aber auch aus Mitarbeitern von Freizeit-Projekten
zusammensetzte.
Bevor
es aber mit den Gesprächen losging, gab Alice Krige jedem Fotografen
im Raum die Gelegenheit, ein schönes Foto von ihr zu schießen,
auf dem sie dann auch direkt in die jeweilige Kamera lächelte. Das Einleiten
der Interviewrunde mit diesem "Shooting einmal die Runde durch" wurde sehr
professionell und charmant von ihr in die Wege geleitet.
Danach wurden ihr von WARP-online einige Fragen gestellt:
Wie war es gekommen, dass sie Schauspielerin geworden ist, obwohl sie laut Presse-Info ursprünglich Psychologin hatte werden wollen. Was war passiert?
Sie antwortete,
dass sie damals zunächst zur Universität gegangen war, um
tatsächlich Psychologie zu studieren. Im Studium hatte sie 10 Fächer
zu belegen. Ein Kurs war nach ihrer Fächer-Auswahl zum Schluss noch
frei gewesen. Da hatten ihr ihre Eltern gesagt, sie solle doch ruhig auch
ein Jahr Schauspielerei belegen, das würde gut für sie sein.
Während dieses einjährigen Schauspielkurses konnte sich Alice Krige
so sehr für diese Kunstform begeistern, dass sie ihr Vorhaben Psychologin
zu werden aufgab, um Schauspielerin zu sein (was ihre Eltern teilweise
bedauerten..). Schauspieler haben schließlich ein schweres Leben. -
Aber es ist auch unglaublich interessant.
Wir wollten weiter wissen, ob ihr die damals erlernten Kenntnisse der Psychologie heute noch bei ihrer Schauspielerei helfen?
Dazu sagte die "Borg-Queen", dass sie dieses Wissen nicht ständig bewusst anwendet. Aber sie ist nach wie vor daran interessiert, warum Menschen sich so oder so verhalten, oder wie es kommt, dass sie so sind, wie sie sind. Man nähert sich als Schauspieler dem selben Thema, nur von einer anderen Seite. Als Schauspieler geht man mehr intuitiv heran als es Psychologen tun, was ihr sehr gefällt.
Wie hat Alice Krige damals die Rolle der Borg-Queen bekommen?
Sie erinnert sich heute nicht mehr daran, ob die Star Trek-Macher
sie gefragt hatten, die Borg-Queen zu spielen, oder ob ihr Agent auf eine
Anzeige hin ihren Namen eingesendet hat. Sie ging auf jeden Fall hin und
hatte das Skript für "First Contact" zu lesen, das für ihre Rolle
aus nur vier Szenen bestand.
Sie hatte alle vier Szenen bei der Vorstellung sprechen müssen und als
sie aus dem Raum ging, hatte sie die Rolle unbedingt haben wollen. Als sie
hineingegangen war, war ihr das noch nicht so wichtig gewesen. Aber während
des Vorsprechens war sie von der Figur der "Borg-Queen" mehr und mehr fasziniert
gewesen.
"Viele Gründe", antwortete Alice Krige darauf hin..
Es ist interessant einen Charakter zu spielen, der so ambivalent ist, so
zwiespältig. Die Borg-Queen ist ein Charakter, den das Publikum
gleichermaßen anziehend und abstoßend findet. Es ist außerdem
sehr interessant jemanden zu spielen, der kein Gewissen hat, keine Moral.
Die meisten Menschen haben da ihre Grenzen. Es würde sie selbst sehr
nervös machen, wenn sie so jemanden wie den Borg-Queen-Charakter im
wahren Leben treffen würde... Es ist aber sehr interessant in der Struktur
eines fantastischen Films so jemand einmal sein zu dürfen.
Stand diese Ambivalenz tatsächlich schon so im Skript, oder hat sie selbst diese Spannung in der Rolle gesehen und später von sich aus eingebracht? Diese Frage bot sich nun für uns an.
Die Saat davon war bereits im Script vorhanden. Dort verführt sie Data. Alice Krige weiß aber nicht, ob die Autoren solch eine Art von Sexualität gemeint haben, wie sie sie dann ausgedrückt hat. Es ist einfach so gekommen. Sie hatte es nicht direkt so geplant, aber so ist es dann halt geschehen. Die Star Trek-Macher hatten vielleicht gehofft, es würde solch eine Form bedrohlicher Sexualität geben, aber Alice Krige wurde nie gesagt, sie soll aggressiven Sex als Macht-Mittel dazu einsetzen, Data zu besiegen.
Wir vertieften das Thema: Wurde diese sexuelle Komponente nicht auch direkt durch das Kostüm provoziert?
"Bestimmt, absolut ja!"
Das erste Kostüm, dass ihr gegeben wurde, war zu eng gewesen. Sie hatte
sich darin kaum bewegen können. Beim Bewegen in diesem geschrumpften
Teil hatte ihr Gang wie der einer Katze ausgesehen. Sie hatte sich gegen
das Gummi stemmen müssen, und das hatte dem Ganzen eine sehr physische
Komponente gegeben.
Das war ein verborgenes Geschenk, das in dem Kostüm gelegen hatte.
Außerdem benutzten die Kostümdesigner flüssiges Gelee, um
damit ihre Haut einzureiben. Das gab ihr zusätzlich einen schlüpfrigen
Anschein. Das Gelee und das enge Kostüm zusammen machten die erotische
Optik stark aus. Da waren also eine ganze Reihe von äußeren physischen
Gegebenheiten, die zusätzlich zu ihrer eigenen Intention, den Charakter
geformt haben.
Hat sie vorher gewusst, welches Kostüm und welches Make-Up auf sie zukommen würden. Würde sie die Rolle heute noch einmal akzeptieren unter diesen belastenden Umständen?
Ja, das würde sie.
Sie erinnerte sich, dass sie damals erst einmal die Rolle bekommen hatte,
und dann zu anderen Arbeiten nach Vancouver gefahren war. Dort hatte sie
eine Nachricht von den Star Trek-Machern bekommen, dass man sie - sobald
sie wieder in L.A. sein würde - gern treffen würde, um eine Maske
von ihrem Gesicht zu machen. Da hatte sie sich gefragt: "Warum das?"
Sie ging also zum Studio, traf die Leute, und diese nahmen sie mit zur
Make-Up-Abteilung. Hier zeigten sie ihr eine Statue von ihrem zukünftigen
Charakter. Alice Krige war sehr beeindruckt davon gewesen und fand die
Entwürfe wunderbar. Sie hatte nur um eine einzige Änderung gebeten:
Die Borg-Queen hat ein Masken-Stirnstück zu tragen, und der Designer
hatte dort Augenbrauen eingearbeitet. Diese waren "böse" geformt, und
sie hatte sich von ihnen in ihrem Gesichtsausdruck zu eingeschränkt
gesehen, wenn sie immer diese betonten Augenbrauen haben würde. Also
hatte sie darum gebeten, sie fortzunehmen. Damit hatte die Borg-Queen wieder
eine Palette von Ausdrücken. Die Kostümbauer änderten das
daraufhin. Alles andere war im Grunde dann so geblieben, wie sich das die
Designer überlegt hatten.
Das Make-Up
war hervorragend. Sie konnte ihr Gesicht gut bewegen und das Beste waren
die undurchsichtigen Kontaktlinsen. Sie gaben der Queen erst ihren Look.
"Sie konnte Dich sehen, Du aber nicht sie. Sie gaben mir also etwas sehr
Spezielles mit ihrem Make Up."
Hat Sie vor ihrer Rückkehr als Borg Queen in der Endepisode von Voyager "Endgame" die Voyager-Serie verfolgt?
Nein, sie hatte nichts davon gesehen. Sie hatte Susanna in der Rolle nicht sehen wollen, um davon nicht verwirrt zu werden. Aber sie hat um alle Skripts gebeten, so dass sie sie lesen konnte. Sie kannte also die ganze Geschichte.
War es bei "Endgame" das gleiche Make-Up, wie bei "First Contact", oder hatte sich da etwas seit ihrem letzten Auftritt geändert?
Alice Krige sagte, man habe nur an der Kehle ein kleines Stück
zugefügt, ansonsten sei das Make-Up sehr ähnlich gewesen. Es habe
nur kleine Änderungen bei der Grundierung einiger Teile gegeben. Der
Make-Up-Spezialist, der am Kostüm der Borg-Queen gearbeitet hat (Scott
Wealer), war sehr stolz auf seine Arbeit bei "Endgame" gewesen. Es war seine
letzte Arbeit bei Star Trek gewesen, und er verließ die Show am selben
Tag, wie Alice Krige. Er sagte, das Borg Queen-Make-Up sei das Beste gewesen,
das er in seiner Karriere je gemacht habe. - Und das war eine schöne
Art und Weise, sich mit einer so guten Arbeit verabschieden zu
können.
"Wie viele Tage wurden Borg-Queen-Szenen für "Endgame" gedreht?"
"Zwei!"
Wie war es gewesen, diesmal mit Kate Mulgrew (Janeway) zusammen zu arbeiten,
anstatt mit Brent Spiner (Data)?
Darauf antwortete die Schauspielerin, es wäre mit beiden wunderbar
gewesen, zusammen zu arbeiten. Aber auch sehr unterschiedlich. Alice Krige
erzählte, dass sie einen Tag vor den Dreharbeiten zu "Endgame"
plötzlich Panik bekommen und ihren Produzenten aufgesucht hatte. Sie
hatte sich Sorgen darüber gemacht, dass diesmal alles anders sein
würde. Bei "First Contact" hatte es viel sexuelle Energie zwischen ihr,
Data und Picard gegeben. Diesmal aber war ihr Gegner eine Frau! - Ihr wurde
gesagt, sie solle sich keine Sorgen machen, sondern sich die Borg-Queen als
"omni-sexuell" vorstellen, also als attraktiv für alle Geschlechter!
Und sie dachte sich: "Cool!" - Es hat funktioniert.
Sie hatte sich sehr gefreut, zurück zu Star Trek und in diese Rolle
zu kommen. Am ersten Drehtag war sie sehr nervös gewesen. Sie hatte
sich auch darüber Gedanken gemacht, dass die Energie der Borg-Queen
durch die Tatsache gemindert werden könnte, dass "Endgame" nur für
den kleinen TV-Schirm gedacht war. Aber dem war nicht so! Sie hat sich die
Sendung hinterher angeschaut und gesehen, dass nichts verloren gegangen war.
Wie viele Stunden hat Sie bei den Dreharbeiten in der Make-Up-Abteilung zubringen müssen?
Bei "First Contact" hat alles viel länger gedauert, manchmal
schier endlos. Bei "Endgame" ging es viel schneller. Ihr Kostüm hatte
diesmal zum Beispiel einen Reißverschluss am Rücken.
Aber sie haben bei "Endgame" trotzdem sehr lange gearbeitet. Es waren 18-22
Stunden-Tage, um alle Borg-Queen-Szenen zu drehen.
Was hat sie nach "Endgame" gemacht?
Sie arbeitete Anfang des Jahres an einem Disney-Film mit dem Titel "Rain
of Fire" und hat nun eine immer wiederkehrende Rolle in einer neuen
amerikanischen Serie, die eine schwarze Komödie darstellt. Diese Serie
heißt "Six Feet Under" und handelt von einer Familie von
Totengräbern. Außerdem ist sie als Produzentin für ein Feature
tätig, dass hoffentlich im März 2002 zu Drehen begonnen wird. Das
ist die anstrengenste Sache, die sie jemals gemacht hat. Sie musste Geld
für die Verwirklichung des Stücks auftreiben, damit es auch wirklich
gedreht wird. Aber nun ist es wohl geschafft.
War es je ihr Wunsch gewesen, Produzentin zu werden.
Nein.
Das Skript des Stücks ist sehr, sehr interessant und komplex. Es ist
auch sehr schwer zu verwirklichen. Ihr Mann hat es geschrieben. Und es war
sehr schwierig, Geld aufzutreiben. Es wurden auch schon vorbereitende Workshops
dazu in Gefängnissen in England abgehalten, zusammen mit Insassen und
Schauspielern. Ein spannendes Projekt, das einige Auswirkungen in einige
Richtungen haben dürfte, so hofft sie. Sie hat die Produzentenposition
schließlich übernommen, aber würde das nicht noch einmal
machen, auch wenn es sehr lehrreich gewesen ist.
Kann sie etwas zu dem Film "Haunted Summer" erzählen?
Alice Krige sagte, sie wäre sehr traurig darüber, dass dieser Film nicht herausgekommen sei, und nur wenige Menschen überhaupt darüber wüssten. Sie hatte 1986 daran mitgewirkt. Er handelt von den sechs Wochen in denen der Roman "Frankenstein" von Mary Shelly entstand. Am Ende der Dreharbeiten fühlten sich alle mit der Schriftstellerin und ihrem Leben verbunden. Es war ein Leben voller Liebe und Schmerz.
Robert wollte etwas über ihren persönlichen Zukunftspläne wissen.
Alice Krige will als nächstes den Film zusammen mit ihrem Mann in England drehen, bei dem sie Produzentin ist. Das dürfte bis in den Sommer 2002 hin dauern. Danach will sie sich darum kümmern, dass der Film auch in der richtigen Art und Weise veröffentlicht wird. Das dürfte immens anstrengend und zeitaufwändig werden. Sie plant dafür weitere zwei Jahre ein!
Hätte sie auch Lust dazu, Regie zu führen?
Das verneinte sie vehement. Nein, das würde keinen Sinn machen.
Sie ist wahrscheinlich eine gute Schauspielerin, und sie kann auch den Part
des Produzenten übernehmen. Aber jetzt auch noch Regie führen zu
wollen, das würde keinen Sinn machen.
Fotos von Ilona Strohpagel und Klaus
Wittmack