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Robert Vogel

Hinter dem STARGATE

Robert Vogel ist seit 1973 in der Fantastik-Szene aktiv. Er hat in vielen Clubs und Vereinen mitgewirkt, kennt sich bestens in der Media- und auch Literaturszene der Genre aus und weiß, was Fans wirklich wollen, schließlich ist er selbst einer! Er arbeitet als freier Journalist u.a. für TV HIGHLIGHTS, ist Star-Fotograf auf vielen Conventions und Events und ist Fachberater für Fantastik. In letzter Zeit hat er sich besonders mit der SF-TV-Serie STARGATE beschäftigt!

Hallo Robert,

Du hast gerade bei TV-HiGHLIGHTS als Autor den Sonderband ´Hinter den Kulissen von STARGATE´ herausgebracht. Wie bist Du eigentlich STARGATE-Fan geworden? Liebe auf den ersten Blick?

Ich bin eigentlich generell Fan von Science Fiction und Fantasy und nicht Fan von Schauspielern. Natürlich war mir Richard Dean Anderson schon ein Begriff von MACGYER. Die erste Hälfte der ersten Staffel war ja mehr wie die Abenteuer eines STAR TREK-Landungskommandos, das sich eben direkt von der Erde auf einen anderen Planeten „gebeamt“ hat, aber dann hat die Serie sehr schnell ihren eigenen Stil gefunden, und das hat mich dann richtig gefesselt.

Was findest Du an der Serie besonders gut?

Die Charaktere natürlich und auch die Stories sowie der Storybogen. Das Setting ist natürlich auch einmalig mit dem lockeren, aber immer wieder deutlich werdenden Handlungsbogen.

Und was fasziniert Dich an Deiner Tätigkeit als freier Journalist im Allgemeinen? Wie bist Du das geworden?

Das ist eine LANGE Geschichte. Für Fan-Magazine habe ich ja schon lange vorher geschrieben, aber dann hat eine glückliche Verkettung von Umständen dafür gesorgt, dass ich Mitarbeiter bei der TV HIGHLIGHTS wurde, und da mochte man wohl meinen sehr unkonventionellen Stil. Außerdem habe ich meine Kontakte immer selbst geknüpft, denn im Gegensatz zur landläufigen Meinung haben Zeitungen oft die Verbindungen gar nicht, weil die Leute einfach keine Zeit haben, sich um so was zu kümmern.

Du hast ja schon seit Längerem immer wieder Reportagen und Interviews vom STARGATE-Set mitgebracht und veröffentlicht. Wie bist Du dazu gekommen, das Set besuchen und Kontakte vor Ort knüpfen zu können? Das kann ja nicht jeder einfach so tun.

Eigentlich geht das GAR NICHT. Mein Glück war es, dass mir Amanda Tapping (Sam Carter) bei einem netten Gespräch in London Anfang 2000 ein paar nützliche Tipps gegeben hat, und als ich mich dann durch die Bürokratie durchgekämpft hatte, kam mir sehr zur Hilfe, dass man bei MGM bei RTL2 nachfragte, ob man mich und meine Arbeit kennen würde. Zum Glück hatte ich mit der zuständigen PR-Person schon zu tun gehabt, und das hat mir dann die Tore geöffnet.

Was hat Dich persönlich bei all Deinen Erlebnissen und Gesprächen am meisten beeindruckt?

Eine ganze Menge. Darüber könnte ich ein eigenes Buch schreiben. Am meisten freue ich mich, wenn ich mal wieder bei STARGATE vorbeischauen kann, denn das ist der netteste, chaotischste und lustigste Haufen, den ich je getroffen habe. Wenn ich die Chance bekommen würde, würde ich sofort nach Vancouver auswandern und dort ein deutsche Pressebüro eröffnen.

Und Du hast ja sogar auch einmal in einer Episode mitgespielt, oder?

Ja, das war bei der Folge KETTENREAKTION am Hot Dog Stand im Hintergrund. Die Leute, die mich kennen, erkennen mich auch. Neulich war ich auch in der ANDROMEDA-Folge 3.13 THE RISK ALL POINT als so eine Art Commonwealth-Delegierter mit dabei. Da komme ich als einer der Überlebenden einer Raumschiff-Katastrophe durch die Luftschleuse der MARU gestürzt und bin dann noch ein paar Sekunden im Hintergrund. Da aber bin ich richtig gut im Bild zu sehen. Das hat der ANDROMEDA-Boss Alan Eastman eingefädelt… Ich habe es sogar mit dieser Szene in den Teaser der Folge geschafft, und das war bestimmt kein Zufall. Bei ANDROMEDA sind die Leute auch sehr freundlich, vor allem Kevin Sorbo. Ich glaube aber, dass Kanadier generell ein freundliches Völkchen sind.

Wie ist die Idee zu diesem STARGATE-Sonderband bei TV-HIGHLIGHTS entstanden?

Eigentlich hat damals 2000 in der TV-H Redaktion niemand so recht geglaubt, dass mein Vorhaben klappen würde, bis ich dann anrief und sagte „Chef, ich fliege in 2 Wochen ‚rüber“. Als dann meine Ausbeute an Material wirklich groß wurde, hatte man da schon die Idee eines Sonderbandes. Das Material war dann März 2001 druckreif, aber da man bei der Redaktion ständig überlastet war, hat sich das Projekt immer weiter hingezogen. Im Herbst 2002 war ich (trotz meines wirklich guten Arbeitsverhältnisses zur Redaktion) relativ am Kochen und habe dann auch deutlich zu Verstehen gegeben, dass ich das Material den Engländern anbieten würde, wenn sich nicht bald etwas tun würde (da hatte ich ein Exklusiv-Interview mit Richard Dean Anderson von Sommer 2000, das aber durch Herumliegen auch nicht aktueller werden würde). Das hat dann wohl geholfen, denn mein Redakteur Uwe Raum-Deinzer hat sich dann mächtig ins Zeug gelegt. Über das Resultat war ich dann auch sehr zufrieden (nur manche dumme Untertitel hätte er sich sparen können).

Was ist bei diesem Sonderband das Grundkonzept gewesen? ´Making Of´- Bücher gibt es ja so einige. Was ist hier das Besondere?

Der Sonderband ist keine dieser offiziellen MAKING OF-Bücher, bei denen der Autor Material sammelt und dieses bearbeitet, sondern mehr eine Sammlung von Interviews mit Leuten vor und hinter der Kamera. Gerade die Crew wird bei solchen Büchern mehr oder minder in den Hintergrund gedrängt und kaum beachtet. Mir war es aber sehr wichtig, die Leute mit ihren eigenen Worten über ihre Arbeit erzählen zu lassen und sie nach Möglichkeit auch mit Foto vorzustellen. Einen weiteren Unterschied gibt es auch über die Art der Berichterstattung: nach spätestens einer Minute weiß der Leser, dass ich der Autor bin und mitten drin im Geschehen bin. Ob das nun gut oder schlecht ist, muss dann der Leser entscheiden.

Wie bist Du dann als Autor an ´Hinter den Kulissen von STARGATE` praktisch herangegangen? Wie lief die Planung ab? Wie lange hat das Schreiben, Überarbeiten und die Zusammenstellung der Materialien gedauert?

Planung ??? Ich habe die Interviews mit meinem Redakteur in eine logische Reihenfolge gebracht und Überleitungen zwischen den einzelnen Interviews geschrieben und Anmerkungen zu den Fotos und Zeichnungen gemacht, die ich selbst geschossen oder von STARGATE PRODUCTION, den Leuten selbst bzw. von MGM erhalten habe. Das Auswerten der Interviews von den Audio-Aufnahmen bis zur Abgabe hat von September 2000 – März 2001 gedauert. Layout und sonstige redaktionelle Arbeit hat Uwe Raum-Deinzer von September – November 2002 bearbeitet. Was die Vorbereitungen betrifft, so habe ich mir damals bei meinem ersten Flug nach Vancouver eine Stichwortliste gemacht, nicht mehr. Ich weiß, wie TV und Kino funktioniert, deshalb hatte ich keine Probleme damit, den entsprechenden Leuten Fragen zu ihrem Job zu stellen.

Was war dabei das Schwierigste? Womit hattest Du am meisten zu kämpfen?

Schwierig war für mich eigentlich nur, beim Abhören der Tapes alles richtig zu verstehen, da viele Interviews ja sehr spontan im Freien abliefen. Die Herausforderung besteht für mich eigentlich nur darin, beim „Erstkontakt“ die Leute zum Reden zu bringen und darauf dann das weitere Interview aufzubauen. Schliesslich weiß ich ja nicht, welche Stories sie zu erzählen zu haben. In den meisten Fällen ist das Eis aber innerhalb der ersten 5 Minuten gebrochen, weil die betreffende Person schnell bemerkt, dass ich nicht einfach nur einen Job mache, sondern mich wirklich für die Arbeit der Leute interessiere. Ich habe halt so meine Art, den Kabelträger genau so wichtig zu nehmen wie den Superstar, und das wird anerkannt. Wenn nicht gerade jemand Star-Allüren hat, wird er es gut finden, wie eine „normale“ Person angesprochen zu werden.

Wir kennen Dich ja schon länger, Robert. Du bist unermüdlich für die Welt der Fantastik im Einsatz. Ruhst du Dich eigentlich auch einmal aus?

Die Frage bekomme ich oft gestellt. Es hat durchaus mal Zeitpunkte in meinen jetzt 30 Jahren Szene-Erfahrung gegeben, wo ich mich gefragt habe, ob ich langsam mal „vernünftig“ werden und alles zurückschrauben sollte. Ich habe das niemand mitgeteilt, und als ich gerade über diese Problematik ernsthaft nachdenken wollte, sind Sachen passiert, die mich wieder mitten in die Szene geworfen haben. Das war so Mitte – Ende der 80er Jahre ein paar Mal der Fall gewesen. Mittlerweile habe ich für mich akzeptiert, dass ich wohl für die SF und Fantasy geboren worden bin und vermutlich eine Rakete auf meinem Grabstein stehen haben werde. Und was das Wichtigste ist: ich fühle mich gut dabei ! Ich hätte nie gedacht, dass ich mal soweit kommen würde. Insofern erfüllen sich da schon persönliche Träume. Es weiß allerdings kaum jemand um die Kehrseite der Medaille: Mein gesamter Urlaub geht für solche Aktionen drauf, ich habe permanent zu wenig Schlaf und jeder Leser sieht nur die Erfolgerlebnisse (niemand interessiert sich dafür, dass man auch oft stundenlang backstage sitzt und auf Interviews wartet, die dann doch nicht stattfinden). Ich weiß, dass viele Fans gerne das machen würden, was ich mache, aber wenn sie wüssten, was alles dahintersteckt, würde wohl kaum jemand mit gesundem Verstand mit mir tauschen. Ich schreibe ja (noch lange nicht) hauptberuflich, und das was ich durchs Schreiben verdiene, ist ein nettes Taschengeld, nicht mehr. Wenn man als Journalist vom Schreiben leben will, muss man schon Redakteur sein, und solche Posten sind in der SF-Zunft extrem dünn gesät, da sollte man sich keinen Illusionen hingeben.

OK, vielen Dank für das Interview, Robert, viel Erfolg mit ´Hinter den Kulissen von STARGATE´ und bei allen weiteren Projekten der Zukunft!

Klar Thomas, gern geschehen !

WARP-online, März 2003