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Galaxien - die Grundbausteine des Universums
von Dr. Robert Hector
Im Jahre 1779 richtete Charles Messier, der von dem französischen
König Ludwig XV "Kometenspürhund" genannt wurde, eines der Fernrohre
seiner Pariser Sternwarte auf die Sternbilder Virgo (Jungfrau) und Coma Berenices
(Haar der Berenike), wo gerade ein Komet zu sehen war. Er bemerkte in der
angepeilten Himmelsregion drei diffuse Objekte, die zwar wie Kometen aussahen,
sich aber nicht bewegten. Er fügte sie einer Liste hinzu, der er 1758
begonnen hatte. Von den 109 Objekten, die er zusammen mit Pierre Méchain
auflistete, liegen allein 13 im Grenzgebiet von Coma Berenices und Virgo.
Noch heute werden alle diese Nebelflecken mit einem M - für Messier
- und einer Zahl bezeichnet. M 1 ist beispielsweise ein Supernova-Überrest,
M 3 ein Kugelsternhaufen, M 31 unsere Nachbargalaxie Andromeda, M 87 eine
elliptische Riesengalaxie und M 109 eine Spiralgalaxie.
Je leistungsfähiger die Beobachtungsgeräte und -methoden wurden,
desto mehr verfeinerte sich das kosmologische Weltbild. Als nach dem Ende
des Ersten Weltkrieges das 2,50-Meter-Teleskop auf dem Mount Wilson in
Kalifornien fertiggestellt war, konnte der Astronom Edwin Hubble mit diesem
damals größten Spiegelfernrohr zeigen, daß sich der Kosmos
weit über das Milchstraßensystem erstreckt. Zahllose Welteninseln
befinden sich in den Weiten des Alls, von denen jede ähnlich wie unsere
Galaxis Dutzende oder gar Hunderte Milliarden Sterne enthält.
Die Sternsysteme sind nicht regellos im Raum verteilt, sondern bilden
üblicherweise Gruppen mit bis zu mehreren hundert Mitgliedern. Diese
Galaxienhaufen ballen sich ihrerseits zu irregulären filamentartigen
Anordnungen zusammen, den sogenannten Superhaufen, von denen sich manche
über mehrere hundert Millionen Lichtjahre erstrecken und damit die
größten bekannten Strukturen im Universum sind.
Hubble teilte die Sternsysteme nach ihrem Erscheinungsbild in drei grundlegende
Typen ein:
-Elliptische Galaxien sind mehr oder weniger kugelförmige, strukturlose
Gebilde, deren Helligkeit zum Zentrum hin zunimmt.
-Spiralgalaxien wie unsere Milchstraße weisen im Zentrum eine
ausgeprägte Verdickung auf, den "bulge"; dieser ist von einer Scheibe
aus jüngeren blauen Sternen umgeben, die spiralförmig angeordnet
sind.
-Irreguläre Galaxien enthalten relativ wenig Masse und sind von
unregelmäßiger Gestalt.
Innerhalb dieser Kategorien herrscht eine beträchtliche Vielfalt, in
der die kleinen schwachen, und nicht die hellen Galaxien die große
Zahl ausmachen. Momentan glauben die Astronomen nicht, daß sich Galaxien
neu bilden. Denn durch Verschmelzung von Sternsystemen, die unter dem Stichwort
"Kannibalismus unter Galaxien" Furore gemacht hat, scheint sich ihre Zahl
eher zu reduzieren.
Die Milchstraßensysteme sind etwa zur gleichen Zeit entstanden - offenbar
aus relativ geringfügigen Dichteschwankungen im Ur-Universum, wobei
sich abgeflachte Großstrukturen mit erhöhter Materiedichte
abkoppelten. "Ellipsoide" haben sich wohl schneller gebildet, bei den Spiralen
ging die Geburt und der Reifeprozess in zwei diskreten Schritten vonstatten.
Im Gegensatz zu den Ellipsen, die heute kaum mehr Gas enthalten, das dort
größtenteils in den Sternen gebunden ist, kam die Sternentstehung
in den Spiralen bereits zu einem vorübergehenden Stillstand, bevor die
Reserven auch nur annähernd verbraucht waren. So hatte sich zwar im
Zentrum der Ur-Galaxie zwar ein Kern entwickelt, der eine Ellipse
verblüffend ähnelt, doch um ihn herum verblieb eine wirbelnde Scheibe
aus Gas, die mit dem Kern in Wechselwirkung trat und zahlreiche dynamische
Vorgänge entfaltete. In den Scheibenregionen setzten neue
Sternentstehungsprozesse ein, dort, wo sich primordiale Gaswolken und kosmischer
Staub zu beeindruckenden Gebilden vereinen. In den Spiralarmen funkeln
heiße blaue Sterne, während im Raum dazwischen rötlich-violette
Nebelmassen vom gravitativen Strom mitgerissen werden. Möglicherweise
entstehen die Spiralarme durch Dichtewellen, die das System durchziehen.
Entstanden sind die Superhaufen und Galaxien aus einem Materiestrom. Riesige
Straßen aus extrem heißem Wasserstoff durchziehen wie ein gewaltiges
Netz den gesamten Kosmos, und überall dort, wo sich diese Straßen
kreuzen, entstehen Galaxien und deren Superhaufen. Der Wasserstoff ist ein
Relikt des Urknalls. Seine Kerne, also reine Protonen, formten sich etwa
eine Sekunde nach dem Urknall aus freien Quarks. Mit Hilfe des Hubble-Teleskops
fanden Astronomen diesen Wasserstoff, der auch heute noch zwischen den Galaxien
herumschwirrt.
Aktive Galaxien - Energiemonster im All
Als die Astronomen ihren traditionellen Beobachtungsbereich - das sichtbare
Licht - auf Radiostrahlung ausweiteten, entdeckten sie gigantische Radioquellen,
die sich als besonders energiereiche Galaxien entpuppten. Zu diesen "Aktiven
Galaxien" (AGN - Active Galactic Nuclei) gehören Objekte wie Quasare,
Radiogalaxien, BL-Lacertaes oder auch Seyfert-Galaxien. Meist sind AGNs weit
von unserer Milchstraße entfernt und schicken ihr hochenergetisches
Licht sogar von den Randbezirken des Universums zu uns.
Quasare sind die leuchtkräftigsten Objekte im Universum. Sie strahlen
vielhundertmal heller als unser Milchstraßensystem, und ihre Energie
wird in einem Gebiet von nur einigen Lichttagen Durchmesser erzeugt.
Der erste 1962 entdeckte Quasar war eine Radioquelle im Sternbild Jungfrau
mit der Katalogbezeichnung 3C273. Diese "quasistellare Radioquelle" wurde
aufgrund ihrer Rotverschiebung in einer Entfernung von rund zwei Milliarden
Lichtjahren vermutet.
In der Folgezeit wurden viele weitere Quasare entdeckt; ihre Helligkeit variierte
oftmals sehr stark. Bis heute wurden mehrere tausend Quasare katalogisiert;
sie senden Strahlen in allen Wellenlängenbereichen aus, von der
hochenergetischen Gamma- bis zu der niedrigenergetischen Radiostrahlung.
Zur Zeit ist der Quasar "SDSS 1030+0524" im Sternbild Sextant das entfernteste
Objekt: es befindet sich in 15 Milliarden Lichtjahren Entfernung.
Ein nahes AGN ist die Seyfert-Galaxis "Circinus" in 13 Millionen Lichtjahren
Entfernung. Solche Galaxien sind nach dem amerikanischen Astrophysiker Carl
Keenan Seyfert benannt. Der Seyfert-Kern ist eine dichte, helle Staubwolke.
Seyfert sah breite Emissionslinien in diesen Staubansammlungen, aus denen
mächtige Gasjets nach außen strömen.
Die BL-Lacertae fallen ebenfalls durch ihre intensive Strahlung auf. Zuerst
hielt man sie für veränderliche Sterne, doch ihre
Helligkeitsschwankungen ließen kein zeitliches Muster erkennen. 1929
entdeckte man das erste Objekt dieser Art im Sternbild Lacerta (Eidechse).
40 Jahre später fand man an dieser Stelle eine starke Radioquelle mit
einem ungewöhnlichen Spektrum: Das Objekt hatte keine Absorptions- oder
Emissionslinien. Mit optischen Geräten entdeckte man schwachen Nebelfleck,
der sich als Riesengalaxie mit einer extremen Rotverschiebung entpuppte:
BL-Lacertae war eine mehrere Milliarden Lichtjahre entfernte Aktive
Galaxie.
Die bekannteste Radiogalaxie ist die acht Millionen Lichtjahre entfernte
Galaxie "Centaurus A" im Sternbild Centaurus. Ihr Radiolicht wurde 1952 entdeckt,
und später zeigte sich, daß diese Quelle mit der sichtbaren Galaxie
NGC 5128 übereinstimmt.
Möglicherweise sind die "Motoren" der Quasare und anderer AGNs massive
Schwarze Löcher, die im Zentrum ständig Unmengen an Materie
verschlingen und so die energiereiche Strahlung erzeugen.
M 87 ist eine 50 Millionen Lichtjahre von der Erde entfernte elliptische
Riesengalaxie im Virgo-Haufen. Der aktive Kern dieses Sternsystems emittiert
ein breites Strahlungsspektrum, ganz ähnlich dem von Quasaren, aber
mit mit nur einem Tausendstel der Intensität. Die Zentralregion sendet
einen Strahl hochenergetischer Elektronen aus. Er enthält eine Gasscheibe,
die sich mit einer Geschwindigkeit von 550 Kilometern pro Sekunde um das
Zentrum der Galaxie rotiert. Dieser hohe Wert ist nur zu erklären, wenn
man ein massereiches Schwarzes Loch im Zentrum annimmt. Falls vor einigen
Milliarden Jahren Materie in diesen Schwerkraftschlund einströmte,
könnte das einen Quasar angetrieben haben.
Galaxienhaufen und Superhaufen, Bubbles und
Voids
Die Struktur des Universums ist geprägt durch enorme Superhaufen von
Galaxien, Zentren unvorstellbarer Schwerkraft und gigantische "Mauern", errichtet
aus tausenden von fernen Galaxien.
In den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde zunehmend klar, daß unser
Sternensystem nicht einmalig ist. Zunächst wurde angenommen, daß
das Weltall gleichmäßig mit Galaxien erfüllt ist. Am Mount
Palomar fiel dem Astronomen Fritz Zwicky dann in den 30er Jahren auf, daß
Galaxien sich zu "Haufen" sammeln. 1938 erklärte er Galaxienhaufen zu
den wesentlichen Komponenten des Universums.
Heutige Karten der Galaxienverteilung am Himmel zeigen ein filigranes Netzwerk.
Die Galaxien sind nicht zufällig im Universum verteilt. In den 70er
Jahren konnte die größere Struktur der Superhaufen mit Computern
dreidimensional demonstriert werden. Es zeigte sich, daß die Galaxien
eine Art Schaum im Kosmos bilden, eine Blasenstruktur. Doch findet sich die
Materie nicht im Zentrum solcher Blasen, sondern an ihren Grenzflächen.
So besteht unser Universum im Großen aus einer Netzwerkstruktur riesiger
Galaxienbögen und -schalen, in deren Innerem eine gähnende Leere
herrscht. Blasen mit Höhlräumen, also das kosmologische Konzept
der "Bubbles" und "Voids". 1981 entdeckten Astronomen im Sternbild Bootes
den größten bis dahin bekannten Leerraum. Diese Blase hat einen
Durchmesser von 250 Millionen Lichtjahren.
Als im Jahr 1989 die amerikanischen Astronomen Margret Geller und John Huchra
die Entdeckung einer gewaltigen "flachen" Struktur bekannt gaben, in der
sich rund 2000 Galaxien zu einem 500 Millionen Lichtjahre langen, 200 Millionen
Lichtjahre breiten und 15 Millionen Lichtjahre langen Gebilde formieren,
lösten sie damit eine Sensation aus. Die "Große Mauer" war entdeckt.
1986 stellten Astronomen um Alan Dressler in den USA fest, daß unsere
Milchstraße und ihre Nachbarn sich mit einer Geschwindigkeit von einigen
hundert Kilometern pro Sekunde von einem Ort in Richtung des Sternbilds Centaurus
angezogen werden. Dressler ging davon aus, daß dort, in einer Entfernung
von 150 Millionen Lichtjahren, ein gewaltiger Galaxienhaufen lauert, der
"Große Attraktor". Ende 1999 blickten Astronomen der Europäischen
Südsternwarte erstmals ins Zentrum dieses Gebildes, des Superhaufens
"ACO 3627".
Die größten durch die Schwerkraft stabil gebundenen Strukturen
sind Haufen (Cluster) und Superhaufen (Supercluster) von Galaxien. Diese
ordnen sich zwar noch auf höherer Ebene zu Filamenten oder Mauern zwischen
gewaltigen Leerräumen, sogenannten Voids, doch die Filamente sind gravitativ
nicht stabil. Diese blasenförmigen Leerräume haben Durchmesser
von 100 bis 200 Millionen Lichtjahren. Auf noch höheren Skalen ist das
Universum strukturlos. Oberhalb von Sternhaufen bilden sich alle Strukturen
hierarchisch aus den Objekten der jeweils darunter liegenden Stufe.
Sternhaufen haben etwa 100 bis 1 Million Sonnenmassen, Galaxien etwa 100
Milliarden (1011) Sonnenmassen, Galaxiengruppen 1013, Galaxienhaufen 1015
Sonnenmassen (entspricht etwa 10 000 Galaxien), darüber liegen Superhaufen
mit 1016 Sonnenmassen und noch darüber Mauern und leere Bereiche mit
1017 Sonnenmassen. Das beobachtbare Universum enthält schätzungsweise
1022 Sonnenmassen.
Seit der amerikanische Astronom Edwin Powell Hubble 1926 das Universum der
Galaxien entdeckt hat, ist die Frage nach der Zahl dieser Sternsysteme immer
wieder neu gestellt worden. Nun hat eine Schätzung mit dem
Hubble-Weltraumteleskop vom Oktober 1998 die Zahl von 125 Milliarden Galaxien
erbracht. Mit dem Hubble-Teleskop können die Astronomen tiefer denn
je ins All und damit weiter zurück in die Zeit blicken, in eine Zeit,
in der sich die Materie zu Sternen zusammengeballt und diese sich in großen
Galaxien angesammelt hatte. Bei den neuen Beobachtungen sind einige ziemlich
blasse Galaxien in so großen Entfernungen gefunden worden, daß
ihre Entstehung bis in die Zeit zurückreichen muß, in der das
Universum gerade eine Milliarde Jahre alt gewesen war.
Unsere Milchstraße ist Teil eines regionalen Galaxienhaufens, der "Lokalen
Gruppe", zu der neben der Andromedagalaxis und den Magellansschen Wolken
noch eine Reihe kleinerer Galaxien gehören. Die Lokale Gruppe befindet
sich am Rand des Lokalen Superhaufens und ist 70 Millionen Lichtjahre von
dessen Zentrum entfernt. In der Nähe dieses Zentrums befindet sich ein
weiterer Galaxienhaufen, der Virgohaufen. Der gesamte Lokale Superhaufen
umfaßt 250 große und 1000 kleinere Galaxien, vor allem
spiralförmige Sterneninseln.
500 Millionen Lichtjahre von unserer Milchstraße entfernt liegt der
Coma-Haufen, ein vor allem aus elliptischen Galaxien bestehender
kugelförmiger Galaxienhaufen, der selbst wiederum Teil eines Superhaufens
ist. Der Coma-Haufen enthält 10 000mal so viel Masse wie unser
Milchstraßensystem
Im Galaxien-Cluster Coma Berenices befinden sich die Galaxien Behaynien,
Cor und auch die Große Leere.
Der Herkuleshaufen ist 700 Millionen Lichtjahre entfernt und gleicht in seiner
Struktur einem mäanderförmigen Fluß. Er ist einer vier Haufen,
die in ihrer Gesamtheit zum Verband des Herkules-Superhaufens
gehören.
Der Perseushaufen ist 350 Millionen Lichtjahre entfernt und enthält
mit der Galaxis NGC 1275 einen starken Röntgenstrahler. NGC 1275 ist
identisch mit Alkordoom, wo die Entität EVOLO entstand, welche das Reich
der Kosmokraten erschüttern sollte. Der Perseus-Haufen ist Teil des
Perseus-Pisces-Superhaufens.
Daneben sind am Galaxienhimmel noch folgende Haufenstrukturen bekannt:
Hydra-Haufen, Centaurus-Haufen, Vela-Haufen, Pavo-Haufen, Fornax-Haufen,
Puppis-Haufen, Ophiuchus-Haufen.
Im Sternhaufen Ophiuchus (Schlangenträger) wurde ein 370 Millionen
Lichtjahre entfernter Superhaufen entdeckt. Es gibt wahrscheinlich eine
Brücke aus Galaxien zwischen diesem Superhaufen und einem im Sternbild
Herkules.
Über die Hälfte aller Galaxien gehören zu Galaxien-Gemeinschaften,
deren Größe von einigen wenigen bis zu mehreren tausend
Milchstraßen liegen kann. Große Galaxienhaufen senden sehr
energiereiche Röntgenstrahlen und Radiowellen aus und haben einige
sonderbare Eigenschaften:
Die Masse, die notwendig ist, um den Haufen durch Schwerkraftwirkungen
zusammenzuhalten, ist etwa zehnmal so groß wie die Masse, die bisher
beobachtet wurde. Woraus diese "Dunkle Materie" besteht, ist eines der
großen Rätsel der Astrophysik. Kandidaten hierzu sind Neutrinos,
Schwarze Löche und exotische Teilchen.
Viele große Haufen enthalten eine zentral gelegene Überriesengalaxie,
die eine starke Radioquelle darstellt. Beispiele sind M 87 im Virgo-Haufen,
NGC 1275 im Perseus-Haufen oder Cygnus A im Sternbild Schwan.
Wahrscheinlich sind alle Besonderheiten reicher Galaxienhaufen auf die Wirkungen
eines gewaltigen Schwerkraftstrudels zurückzuführen. Die Galaxien
eines Haufens umkreisen ähnlich wie die Planeten die Sonne das Massenzentrum
des Haufens. Durch Gravitationskräfte werden sie in das Zentrumsgebiet
gezogen; auf diese Weise kann die zentrale Galaxie anwachsen. Wenn die
Milchstraßen in den Gravitationsbereich um die zentrale Riesengalaxie
stürzen, werden sie komprimiert und werfen dabei große Mengen
von Gasen aus, die zur Quelle von Röntgenstrahlen werden.
Einflußsphären kosmischer Mächte und
Kräfte
Als die Terraner immer mehr Details über die kosmischen
Organisationstrukturen erfuhren, erkannten sie, daß die gravitativ
bedingten Galaxienballungen häufig Einflußsphären kosmische
Mächte waren. Während Superintelligenzen über einzelne
Galaxiengruppen, "Mächtigkeitsballungen" genannt, regieren, sind die
Kosmonukleotide für einen größeren Bereich zuständig.
Der Einflußbereich des Kosmonukleotids DORIFER ist eine Raumkugel von
rund 50 Millionen Lichtjahren Durchmesser. Diese umfaßt die Lokale
Galaxiengruppe, den Virgo-Galaxienhaufen mit den zwölf Galaxien der
Mächtigkeitsballung ESTARTU, aber auch Gruelfin (NGC 4594), M 87 und
alle dazwischenliegenden Welteninseln.
Die Region, die von TRIICLE-9 determiniert war, mutierte nach dem Verschwinden
des Kosmonukleotids zu einer "Negasphäre", in der die Naturgesetze ihre
Gültigkeit verloren und das Chaos einkehrte. TRIICLE raste unterdessen
als der "Frostrubin" durch das Universum und richtete große Schäden
an, bis er von den Porleytern verankert wurde.
Durch die Verankerung des Frostrubins durch die Porleyter hatte sich vor
2,2 Millionen Jahren ein zweites Kosmonukleotid im Einflußbereich DORIFERs
eingenistet. Dies dürfte Folgen für die übrigen Kosmonukleotide
des Kosmogens DORIICLE gehabt haben. Möglicherweise gehörte die
Lokale Gruppe mit der Milchstraße ursprünglich zu einem ganz anderen
Kosmonukleotid.
Und vielleicht hatte das Verschwinden des Frostrubins aus dem
DORIFER-Einflußbereich im Zuge der Rückführung von TRIICLE-9
an seinen ursprünglichen Standort langfristige und umfangreiche
Folgen.
Das Kosmonukleotid TRIICLE-9 gehört zum Kosmogen TRIICLE.
Im Jahre 1189 startete eine Expedition unter Reginald Bull zu den Galaxien
des Fornax-Clusters, 70 Millionen Lichtjahre von der Lokalen Gruppe entfernt.
Die Besatzungen sollten das für diesen Nachbarsektor zuständige
Kosmonukleotid FORNAX A lokalisieren und seinen Einflußbereich
vermessen.
DORIFER gehört zum Kosmogen DORIICLE und ist das zweite Mitglied dieser
Familie von Kosmonukleotiden. Darum wird DORIFER auch DORIICLE-2 genannt.
FORNAX-A ist mit DORIICLE-5 identisch.
Mächtigkeitsballungen umfassen Gruppen von Galaxien, die von einer
Superintelligenz "regiert" werden.
Die Mächtigkeitsballung von ES umfaßt die Lokale Gruppe. Zu dieser
gehören neben unserer Milchstraße Andromeda (M 31), einst das
Herrschaftsgebiet der Hathor, später der Maahks und dann der Meister
der Insel; die dem Andromedanebel vorgelagerten Kleingalaxien Andro-Alpha
(NGC 205, um das Jahre 2400 von Maahks beherrscht) und Andro-Beta (M 32,
um 2400 von den Twonosern bewohnt); die Magellanschen Wolken, ehemals der
Lebensbereich der Gurrads, die dann vorübergehend von den Uleb und deren
Hilfsvölker verdrängt wurden); die Miniaturgalaxis Fornax, der
Heimat der Nocturnen, den "Geburtshelfern von ES"; die Pinwheel-Galaxis (M
33), bekannt durch die Aktivitäten der Kartanin; ferner die kleineren
Galaxien Draco, Ursa Minor, Sculptor, Leo I, Leo II, NGC 6822, NGC 147, NGC
185 und IC 1613.
40 Millionen Lichtjahre von der Milchstraße entfernt liegt die
Mächtigkeitsballung der Superintelligenz ESTARTU, zu der folgende Galaxien
gehören: Erendyra, Siom Som, Trovenoor, Absantha-Gom, Absantha-Shad,
Muun, Palcaquar, Urumbar, Dhatabaar, Syllagar, Shufu und Mujadjh.
Zwischen ES und ESTARTU bestehen enge Beziehungen, sie sind angeblich unter
annähernd gleichen Bedingungen zur gleichen Zeit entstanden: ESTARTU
ist die "Schwester" von ES. Diese Verbindung wird noch unterstrichen durch
den Umstand, daß aus den ehemaligen Heraldischen Tore eine
Transmitterverbindung zwischen den Mächtigkeitsballungen beider Wesen
aufgebaut wurde, über eine Entfernung von 40 Millionen Lichtjahren.
Erstaunlicher Zusammenhänge taten sich auf: Der Beginn der Zeitrechnung
in der Galaxis Segafrendo fällt mit dem Zeitpunkt des Verschwindens
von TRIICLE-9 zusammen. Die Superintelligenz ESTARTU ist vor 18,415 Millionen
Jahren im Auroch-Maxo-System in Segafrendo durch die Verschmelzung des
Koridecc-Schmetterlings und der Sporenwolke Sorrmo entstanden. Später
entstand im INSHARAM aus Resten der ESTARTU-Substanz quasi die Vorstufe von
ES. ES manifestierte sich dabei in einer Zeitschleife über 18 Millionen
Jahre hinweg durch den Sohn Perry Rhodans, Delorian. Nun konnte sich jene
Wanderer entwickeln, der später die Erde entdeckte.
Die Koalition Thoregon umfaßt sechs Mächtigkeitsballungen mit
folgenden Superintelligenzen:
1) Ein scheinbar aus dem Raum-Zeit-Kontinuum herausgeschnittener , pechschwarzer
Würfel mit einer Kantenlänge von 14,5 Kilometern. Diese Entität
gehört zum ersten Thoregon-Volk, den Gestaltern aus der Galaxis Karakhoum.
2) Wechselbalg, in der Gastalt der Stadt Sarkamanth, als Terminale
Enzyklopädie, eine mittelalterliche Siedlung von 300 Metern Durchmesser
mit einem Turm von 60 Metern Höhe und 22 Metern Durchmesser im Zentrum.
Dieses Wesen repräsentiert das zweite Volk, die Galornen aus
Plantagoo.
3) Ein Wesen in Gestalt des Zweigkanals des Äolentors, eine gleißend
helle Lichtkugel von sieben Kilometern Durchmesser,zugehörig zum dritten
Thoregon-Volk, den Baolin-Nda aus Shaogen-Himmelreich.
4) Der Stern von Baikolt, ein Gebilde aus 14 obeliskenartigen, schwarzen,
jeweils 1050 Meter langen Objekten, die zur "Sporenkugel" angeordnet einen
Durchmesser von 2100 Metern ergeben; die stumpfen Enden weisen nach innen,
die spitzen nach außen, und im Zentrum gibt es ein gleißend helles
Licht. Zu deren Mächtigkeitsballung gehört das vierte Volk, die
Nonggo aus Gorhoon.
5) Nisaaru, ein vielfach verschlungener Knoten von fünf bis zehn Kilometern
Durchmesser aus einem einzigen dicken Strang. Ist verantwortlich für
das fünfte Thoregon-Volk, die Gharrer aus Chearth;
6)ES mit der Kunstwelt Wanderer in Form einer Scheibe von 4800 Kilometern
Durchmesser. ES nennt das sechste Volk, die Terraner aus der Milchstraße,
seine "Kinder".
Die Thoregon-Galaxien sind durch die Brücke in die Unendlichkeit miteinander
verbunden, welche über Pilzdome beschritten werden kann.
Im Jahre 1291 entstand im PULS der Galaxis DaGlausch ein Thoregon. Thoregon
war der Versuch von sechs Superintelligenzen, sich aus der kosmologischen
Zweiteilung von Ordnung und Chaos zu lösen, sich vom Einfluß von
Kosmokraten und Chaotarchen zu emanzipieren. Dazu stabilisierten die
Überwesen eine natürliche entstandene Sphäre von Absolutem
Vakuum und erschufen mit ihren mentalen Kräften und den Virtuellen Schiffen
die Zone des PULSES, auf die Kosmokraten, das GESETZ und der Moralische Code
keinen Einfluß hatten.