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Aarus, Eltanen und die Thatrix-Zivilisation
von Dr. Robert Hector
In der Galaxis Tradom regiert die Inquisition der Vernunft mit drakonischen Mitteln. Die Inquisition will mit Hilfe des Sternenfensters auch die Milchstraße dem Reich Tradom angliedern. Es gibt nur wenige Gruppierungen, die gegen das Schreckensregime eingestellt sind. Die Trümmerscouts gehören dazu. Ihre Aufgabe besteht darin, im Auftrag des Trümmerimperiums die Hinterlassenschaften der vor 160 000 Jahren zerschlagenen Thatrix-Zivilisation zu untersuchen.
Die Thatrix-Zivilisation wird auch als „Reich des Glücks“ bezeichnet. Übrig sind von dieser Zivilisation nur rund 120 Verbotene Welten, allesamt ausgebrannte Schlackekugeln. Die Inquisition geht mit unerbittlicher Härte gegen jedes Stöbern in der Vergangenheit vor.
Den Terranern gelingt es, mit Hilfe der Jankaron aus dem Kugelsternhaufen Virginox zu entkommen. Die LEIF ERIKSSON nimmt Kurs auf den aktuellen Standort der KARRIBO.
Vom interstellaren Wurm Aarus-Jima werden weitere Aktionen gestartet. Aarus-Jima wird auch als die „Sphäre der Aarus“ bezeichnet. Es ist eine 60 Kilometer lange, 5 Kilometer durchmessende wurmartige Formation, in der Stationen, Gebäude und technische Anlagen schweben. Das Gebilde wird von einem weißlich leuchtenden Wurmschirm umgeben. Der Wurm zieht als „Nomade“ von Stern zu Stern und bietet seine technischen Dienste in der Galaxis Tradom feil. Wichtige Objekte in Aarus-Jima sind die Genetische Sphäre, halbkugelförmige transparente Kuppeln, in denen die Genetiker wirken, sowie der Ozeanische Computer, in dem möglicherweise Daten aus der Vergangenheit gespeichert sind.
Die Aarus sind Fischwesen, der Kopf erinnert an den Schädel eines Hammerhais. Sie entstammen dem vor 160 000 Jahren vernichteten Planeten Aar.
Terraner, Arkoniden und Aarus wollen direkten Kontakt mit den legendären Eltanen aufnehmen, die in enger Verbindung zu dem Trümmerimperium stehen. Die Verbündeten erreichen die Letzte Stadt der Eltanen und bekommen dort Kontakt zu Troym LeCaro, dem kindlichen Herrscher, der Auskünfte über die Vergangenheit seines Volkes sucht.
Die Eltanen sind etwa 1,40 Meter kleine Wesen mit einer pergamentartigen Haut. Die letzten dreitausend Eltanen suchen nach dem Vorhandensein einer göttlichen Planung im Universum und nach dem Sinn des Lebens. Die Letzte Stadt der Eltanen ist in eine stabilisierte Halbraumblase eingelagert,, die rund drei Millionen Kilometer durchmisst. Im Zentrum der Halbraumblase befindet sich der gelblich leuchtende Stern Kita, der in Wirklichkeit eine Schmerzwechte darstellt.
In Tradom gibt es etwa 250 000 Schmerzwechten. Es handelt sich jeweils um eine physikalisch inkongruente Zone von etwa einem Kilometer Durchmesser, die weder mit der Physik des Normalraums noch mit der des Hyperraums befriedigend zu erklären. Wer in eine Schmerzwechte hineinfliegt, kommt nach einem Transmittertransport in irgendeiner der anderen Wechten wieer heraus - und wird von dieser ausgespuckt.
Ziel der Verbündeten ist nun der verlorene Wurm. Die Aktivitäten der Aarus Susa und Cheplin eröffnen den Zugang zum geheimnisvollen Wurm Aarus-Kart. Von hier wollen die Verbündeten gegen das Sternenfenster vorgehen.
Die Legende spricht von einem unglaublichen Krieg vor etwa 160 000 Jahren, durch den die Aarus gezwungen waren, ihre sterbende Heimat Aar zu verlassen. So entstanden sechs Interstellare Wurme. Aarus-Jima ist einer von nur noch drei Wurmen, die als ewige Nomaden von Stern zu Stern streifen und technische Dienste in Tradom feilbieten. Die anderen beiden heißen Aarus-Zorm und Aarus Lufficim. Die restlichen drei sind in den direkten Dienst der Inquisition der Vernunft getreten und werden in den Fernen Kolonien eingesetzt. Die Herrschaft in Aarus-Jima liegt nicht absolut in den Händen des Schwarmers, vielmehr sind es die Repräsentanten der mächtigen Genetischen Linien, die Markierten, die untereinander den Schwarmer bestimmen.
Über die Inquisition der Vernunft weiß man weiterhin wenig. Ziel des Konquestors Trah Rogue war die Eroberung Terras. Doch die Inquisition der Vernunft hatte beschlossen, dass Terra ohne große Raumschlacht eingenommen werden sollte. Die Gründe für diese „Schonung“ waren unklar. Insbesondere kam es darauf an, Terra keinesfalls mit Verwüstungen zu überziehen. Die Inquisition wollte den Planeten unbeschädigt.
Tradoms Interesse für Terra, ein menschenähnliches Gehirn, ein menschliches Skelett, intelligente grausame Affen - wo sind die Zusammenhänge? Nach Trah Rogue taucht Trah Zebuck auf, der an einen stark vergrößerten terranischen Schimpansen erinnert. Sind Trah Rogue und Trah Zebuck Sprösslinge eines lemurischen Laboraffen, den die Urväter der Terraner einst mit nach Tradom einschleppten?
Dass die Galaxis Andromeda irgendeine Rolle bei den Geschehnissen in Tradom spielt oder gespielt hat, zeigt die Herausgabe der PR-Taschenbuchreihe ANDROMEDA bei Heyne im Umfeld von Band 2150. Im Jahr 1312 NGZ muss sich Perry Rhodan einer Herausforderung von wahrhaft kosmischen Ausmaßen stellen, als eine dunkle Macht in der Nachbargalaxis erwacht. Der Terraner erhält einen dringlichen Hilferuf aus Andromeda. Mit dem Spürkreuzer JOURNEE und einer Gruppe von Spezialisten bricht Perry Rhodan auf. Im Hintergrund wartet der Gelbe Meister...(Die Titel der TBs: „Die brennenden Schiffe“, „Die Methanatmer“, „Der schwerelose Zug“, „Die Sternenhorcher“, „Der Schattenspiegel“, „Die Zeitstadt“).
Blenden wir um zur SOL und nach Wassermal.
In der Galaxis Wassermal lebten die Pangalaktischen Statistiker, legendäre Wesen, die unglaubliches Wissen über die Geschichte des Universums angehäuft hatten. Atlan landet mit sechs seiner Begleiter auf der Welt Vision, dem geistigen Zentrum der Galaxis. Sie werden in einen Konflikt verwickelt, der ganz Wassermal betrifft.
Der Prinzenkrieger Soner, einer der Herrscher der Pfauchonen, stellt sich gegen sein Volk, um gegen sein durch Propheten vorhergesagtes Schicksal zu kämpfen. Atlan muss sich mit den zahlreichen anderen Besuchern des Planeten evakuieren lassen.
Für die Besatzung der SOL ist es ein unhaltbarer Zustand, am Rand der Galaxis ausharren zu müssen. Also fliegt das Hantelschiff in die Galaxis Wassermal ein und erreicht den Planeten Zoun. Dort ist mittlerweile auch Atlan angelangt, und der Arkonide wagt erneut den Vorstoß nach Vision...
Die Pangalaktischen Statistiker waren der Grund für die lange Reise nach Wassermal gewesen. Die Galaktiker wollen mehr über Thoregons erfahren. Die Grundidee von Thoregon war, einen dritten Weg ohne die Abhängigkeit von den Hohen Kosmischen Mächten zu gehen. Doch in der Vergangenheit waren schon viele Thoregons entstanden und wieder vergangen. Waren Thoregons schon von vornherein zum Scheitern verurteilt? Hatten sie überhaupt eine Chance auf Bestand? Oder steckte womöglich mehr dahinter, als es oberflächlich schien?
Auf diese und ähnliche Fragen hätte Atlan gerne Antworten erhalten. Er war sicher, dass davon das Überleben nicht nur der Menschheit, sondern auch der anderen Völker der Milchstraße abhing.
Dabei gaben die Statistiker keine Weisheiten, Prognosen oder Weissagungen von sich, die wertvolle Lebenshilfen für Normalsterbliche hätten sein können. Sie sprachen ausschließlich von kosmischen Zusammenhängen, über Kosmonukleotide und deren Messengers, den Moralischen Kode, der das Universum wie eine Doppelhelix durchzog, über das Werden und Sterben ganzer Galaxien und kosmischer Abschnitte, über Superintelligenzen und Materiequellen.
Das herausstechendste Merkmal jeder Stadt der Pangalaktischen Statistiker auf dem Planeten Vision ist der riesige Turm im Zentrum. Es ist jeweils drei Kilometer hoch, an der Basis gut einen halben Kilometer breit, im Querschnitt rund und verjüngt sich nach oben hin bis zu einem Durchmesser von nur noch achtzig Metern an der Spitze. In der Spitze eines jeden Turms wohnt einer der Pangalaktischen Statistiker (so ähnlich wie Graf Koks auf der Erbse oder ein Akademiker im Elfenbeinturm). Von dort oben horchen sie in das Weltall hinaus, durchmessen den Pulsschlag der Schöpfung, sammeln unerschöpfliches Wissen über die Gegenwart des Universums.
Im allen neun Städten, die sich rings um die Türme der Pangalaktischen Statistiker erstrecken, gibt es die Kosmologischen Mediotheken. Hier lagern unerschöpfliche Wissensschätze über die Vergangenheit und Gegenwart des Weltalls. Die Anlage besteht aus verschiedenen Etagen mit nicht enden wollenden Reihen aus Computern, Foliantenregalen und Aufzeichnungs- und Wiedergabestudios. Die Mediotheken reichen kilometertief in den Untergrund.
Schließlich findet sich eine zehnte Stadt der Pangalaktischen Statistiker und ein zehnter Turm.
Der zehnte Turm war kein unnützes Relikt aus uralter Zeit. Er stand immer noch mit den neun aktiven Türmen der Pangalaktischen Statistiker in Verbindung.
Alle zehn Türme können zusammen eine Parabolantenne bilden, man braucht sie dafür alle nur in die richtige Schräglage zu bringen. Nach allem, was bisher über die Pangalaktischen Statistiker bekannt ist, beobachten sie ausschließlich Ereignisse von kosmischer Tragweite in diesem Bereich des Universums. Dieser Bereich ist allerdings als sehr dehnbarer Begriff zu verstehen. Man weiß ja nichts über die tatsächliche Reichweite ihrer Türme. Aber einmal angenommen, es besteht bei den Statistikern ein Interesse an Vorgängen, die normalerweise außerhalb ihrer Reichweite liegen. So können sie alle zehn Türme zu einer einzigen Antenne vereinen und auf diese Weise wohl bis an die relativen Grenzen des Universums gelangen.
Es wäre auch der umgekehrte Fall denkbar: Nämlich, dass die Pangalaktischen Statistiker sich nicht bloß mit der Tätigkeit von Lauschern begnügen, sondern dass sie mit ihren Türmen auch Informationen senden.
In dem galaktischen Konflikt der Pfauchonen kann eine alles vernichtende Raumschlacht verhindert werden, nachdem eine mythische Gestalt, der Saltansprecher, aufgetaucht ist.
Auf Vision wird ein Zeitbrunnen entdeckt. Das System der Zeitbrunnen wurde vor einigen Millionen Jahren von den Sieben Mächtigen eingerichtet; eine Station gab es auch auf der Erde, in den südamerikanischen Anden. Die Zeitbrunnen dienten ursprünglich als Wachstationen am Weg des Schwarms. Die Mächtigen benutzten das System in erster Linie als Transportmittel, das sie zeitverlustfrei von einem Planeten zum anderen bringen konnte.
Die großen Fragen sind: Was geschah vor 160 000 Jahren? Wie hängen die Milchstraße und Tradom, und wie Tradom und Wassermal zusammen? Die Begriffe „Kosmonukleotid“ und „Leibowitz“ sollen angeblich in dem laufenden Zyklus noch eine Rolle spielen. Warum soll Terra nach Willen der Inquisition unzerstört übernommen werden? Hängt dies mit dem sechsdimensionalen Kraftfeld zusammen?
Insgesamt erleben wir in Tradom und Wassermal farbenprächtige Weltraumabenteuer, aber so richtig mitreißend ist die Story nicht. Wassermal hat ein wenig das Flair von Tausendundeiner Nacht, während bei Tradom die düstere Atmosphäre der Anfangszeit nicht durchgehalten werden konnte. Warten wir mal ab, was sich bis Band 2150 tut.
Auf der Autorenkonferenz im April 2002 wurden die Themen der näheren PR-Zukunft behandelt: Wie entstand die Inquisition der Vernunft, was hat es mit den Eltanen auf sich und mit Anguela?
Auch die Kosmologie soll einen eigenen Stellenwert bekommen. Der Thoregon-Zyklus hat die PR-Kosmologie bereits um einige Details erweitert, grundlegende Erkenntnisse kommen noch hinzu und werden Auswirkungen auf den Zyklus ab Heft 2200 haben.
Im PR-Kommentar des Heftes 2140 (Halb- und sonstige (Hyper-)Räume) ist folgendes zu lesen:
„...Der Hyperraum ist die übergeordnete Sphäre des Multiversums, in der alle realisierbaren Universen eingebettet sind. Unabhängig von der Betrachtung damit verbundener Teilkontinua wie dem Halbraum oder der Dakkarzone oder was auch immer lässt sich dieses Multiversum als eine Superposition potenziell unendlich vieler Zustände beschreiben, die ein unteilbares Ganzes bilden. Ob und wie viele davon real verwirklicht sind und praktisch genutzt werden können, ist eine ganz andere Frage.
Und wie der mit einem Thoregon verbundene PULS zeigt, ist mit dem Multiversum noch längst nicht der Gesamtkosmos erfasst oder definiert.“
Nun ist die PR-Kosmologie ein „Kind“ von Willi Voltz, und die heutigen PR-Autoren werkeln unbeholfen an diesem für sie fremden Kind herum. Von der einstigen Faszination für die PR-Kosmologie ist heute nicht mehr viel übrig geblieben. Man fügt grobklotzige Anbauten hinzu, aber etwas konzeptionell Neues kommt nicht. Das erinnert irgendwie an die 400er Bände, als das Scheersche „Weiter, Schneller, Gigantischer“ auf die Spitze getrieben wurde, bis es keiner mehr hören mochte.
Wenn heute die PR-Leser das Wort „Thoregon“ hören, stöhnen sie nur noch: „aaarghhh“ oder „gääähn“.
Ein Heftroman lebt vom Helden und seinen Abenteuern. Ein „Überbau“ darf durchaus sein, aber bitte nicht zu kompliziert und ernsthaft, das schadet dem Roman. Bei PR hat sich der Überbau verselbständigt.
Wie sollen real existierende Menschen mit den Sphären des Multiversums (oder gar darüber hinaus!) umgehen? Zumal diese Sphärenklänge in einer als „Hyper“ definierten mit der realen Wissenschaft nichts mehr gemein haben.
Das Konzept n-dimensionaler Hyperräume ist eine Umsetzung relativ trivialer Mathematik: Die Elemente eines n-dimensionalen Vektorraums als Linearkombination seiner Basis, oder etwas höher, ein unendlichdimensionaler Vektorraum, Hilbertraum, der in der Quantentheorie eine zentrale Rolle spielt.
Die PR-Kosmologie ist, wie gesagt, das Kind von Voltz, die Hyperphysik das Kind von Mahr, die Supertechnik das Kind von Scheer, genau wie Gucky das Kind von Walter Ernsting ist.
Heute ist Uwe Anton der Mann fürs Kosmologische, Rainer Castor derjenige fürs Hypertechnische, und Robert Feldhoff bestimmt die Handlungskonzeption. Das Ganze hat den Flair einer Beatles Revival Band oder eines Elvis-Imitators: hört sich zuweilen ganz gut an, ist aber doch nicht das „Original“.
Warum soll man sich nicht des ganzen Überbaus (Superintelligenzen, Kosmokraten, Kosmonukleotide) entledigen und einen totalen Neuanfang wagen, wobei auch die Talente von Anton und Castor so richtig zum Tragen kämen. Das Wiederkäuen oder das „Recycling“ alter Konzepte wirkt auf Dauer ermüdend, und die Kosmologie ist nun wirklich ausgereizt (es sei denn, jemand strebt als Endziel den lieben Gott an). Genauso ermüdend wirkt die regelmäßige Wiederaufführung uralter Zellaktivatorträger: alle Protagonisten außer Perry Rhodan und Atlan sind ersetzbar, läutet also das Zellaktivatorträgersterben ein. Und dabei sollte man auch gleich mit allen Hyperphänomenen Schluss machen, was ist denn, naturwissenschaftlich gesehen, „Hyper“ etwas anderes als eine Umschreibung für Magie, Fantasy, (fauler) Zauber? Zieht einen gnadenlosen Schlusstrich unter die bisherige PR-Historie, erklärt sie zu einer Parallelwelt, und die Zukunft in einer glaubwürdigen futuristischen Realwelt kann beginnen.