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Attentate auf Terra
von Gerhard Börnsen
Wir haben September. Draußen wird es langsam Herbst, auch wenn ab und zu noch ein warmer Sonnenstrahl zur Erde vordringt. Im September 1961 erblickte die größte Weltraumsaga auf dem Romanheftsektor das Licht der Welt. Inzwischen sind 44 Jahre vergangen. Wie könnte ich das vergessen, wurde ich doch ebenfalls 1961 geboren. So gesehen begleitete mich die Perry Rhodan Serie mein ganzes Leben.
In diesem Monat erschien der Roman 2300. Ein weiteres Jubiläum, ein weiterer Meilenstein. Ein Zyklus ging mit Band 2299 zu ende und ein neuer beginnt. Wenn man so viele Romane wie ich gelesen hat, und nicht nur von der Perry Rhodan Serie, dann vergleicht man automatisch und teilt die Zyklen in gute bis weniger gut gelungene Passagen ein. Der letzte Zyklus, „Sternenozean von Jamondi“ gehörte zu den weniger guten Zyklen. Sich wiederholende und ähnelnde Ideen (Montana = Ophaler), geklaute Passagen (Uralt Trummstamm entspricht dem Baum aus Herr der Ringe) und das eher fantasybehaftete Umfeld mit vielen Lückenfüllerromanen zogen den Zyklus wie Kaugummi in die Länge. Selbst der Gastautor Andreas Eschbach legte nur einen mittelmäßigen Roman hin – jeder Roman von Arndt Ellmer oder Horst Hoffmann war um Längen besser zu lesen. Vielleicht lag es aber auch nur am Expose` für diesen Roman oder daran das Eschbach kein Serienautor ist. Sollte man Expose`autor Robert Feldhoff nicht vielleicht besser nach einiger Zeit einen zweiten Autor an die Seite stellen oder dieses Amt regelmäßig unter den Autorenkollegen tauschen? Vielleicht käme dann öfter frischer Wind in die Romanhandlung.
Immerhin gab sich der Verlag besondere Mühe. 88 Seiten Umfang, ein umlaufendes Titelbild und ein Poster des Covers im Mittelteil zum herausnehmen, lassen das Herz der Leser höher schlagen. Das ist doch schon etwas. Auf dem Frontcover gibt es einen kleinen roten Hinweis darauf, dass man auch eine Reise nach Cape Canaveral in Florida gewinnen kann. Eine tolle Idee! Leider kann ich mich mit dem Comicstil eines Dirk Schulz als Coverzeichner nicht richtig anfreunden. Bruck, Papenbrock und Kelsner zeichneten/zeichnen klarer. Schließlich ist das kein Comic, sondern eine Romanserie, die von sich behauptet auch höheren Ansprüchen gerecht zu werden. Es gibt auch von Dirk Schulz gute Bilder, aber sein Stil passt nicht zu einer eher ernsthaft angehauchten SF-Serie. Zwei Beispiele. Die wundervolle Stahlorchidee der terranischen Residenz wirkt auf dem Backcover wie ein unförmiger Klotz. In der Einführungszeit wurden von anderen Zeichnern viel schönere Darstellungen gebracht. So wirkt das Ganze nicht wie ein Symbol für freiheitsliebende Terraner, sondern leblos, stumpf und grau. Raumanzug und Gesicht von Perry Rhodan wirken schlaff und weich, nicht wie die Raumanzüge von Bruck, straff und ordentlich gezeichnet und das härtere, erfahrene Gesicht eines Risikopiloten. Außerdem war Rhodan nie Hellblond sondern Dunkelblond. Hat er sich die Haare färben lassen? Aber das übersah schon 1998 ein anderer, nicht mit der Serie vertraute Zeichner.
Das waren aber auch schon die letzten kritisch anzumerkenden Punkte. Kommen wir nun zum Inhalt, zu dem was wir ja als eigentliche Essenz ansehen und jede Woche von den Machern erwarten – zum Perry Rhodan Roman. In Heft 2300 beginnt wie schon erwähnt ein neuer Abschnitt. Robert Feldhoff schrieb diesen ersten Band des „Terranova Zyklus“. Der Roman hat einen erweiterten Umfang um auch das Umfeld der Handlung näher zu erläutern. „Vorboten des Chaos“ ist der Titel. Robert Feldhoff gelingt es, eine packende und actionreiche Geschichte zu erzählen, voller Gefühl und Dramatik. Ich möchte an dieser Stelle nicht zuviel verraten – es lohnt sich auf jeden Fall diesen Roman zu lesen. Es entstehen auch gleich die ersten Fragen, die sicher im laufenden Zyklus beantwortet werden. Wer schuf die „Mikrobestien“ nach dem Vorbild der Bestien aus M-87, die als Attentäter nach Terra geschickt wurden um die Oberhäupter der Völker der Milchstraße zu töten? Was hat es mit der geheimen „Terranova-Flotte“ der Terraner auf sich? Was geschieht in und um die Galaxis „Hangay“ herum und was geschah mit dem „Fernraumschiff Sol“ das schon Jahrzehnte verschollen ist? Ich hoffe dass der neue Zyklus so spannend weiter geht wie dieser Einstiegsroman. Ich erinnere mich an den „Thoregon-Zyklus“, der immer noch zu den Besten zählt, die je geschrieben wurden.
© für den Text Gerhard Börnsen
© für die Bilder VPM-Verlag