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Leidenschaft für Flammen

„Die Feuerteufelei“!

„Wirbelnde Fackeln zerschneiden das Dunkel.
Ein Metallmonstrum mit brennendem Rücken greift an.
Und meterhohe Feuersäulen entsteigen dem Mund der Akteure.

Wir bewundern mit atemloser Spannung das Schauspiel, das sich uns an diesem kalten Tag im Stadtpark von Hamburg bietet: Wir wohnen exklusiv dem Training der „Feuerteufelei“ bei. Hinter diesem einprägsamen Namen verbirgt sich eine Gruppe von drei Künstlern, die sich der „Feuerkunst und mittelalterlichen Gaukelei“ verschrieben haben, wie wir zuvor auf ihrer Site www.feuerteufelei.de erfahren hatten.“ -


Gegründet hat die leidenschaftliche Truppe Nils Bleeck, der sich in der Szene der Künstler „Delvan“ nennt. Vor drei Jahren hatte der gelernte Elektriker damit begonnen, sich mit Schaustellerei plus Feuer zu beschäftigen.
„Inzwischen hat die Zusammensetzung der ´Feuerteufelei` mehrmals gewechselt“, erzählte uns der ´Boss´ der Gruppe, „Jetzt sind wir seit einigen Monaten zu Dritt und da sind Lilly und Andre mit an Bord.“

Lilly hat ursprünglich auf mittelalterlichen Conventions und Rollenspiel-Events mit Tanz begonnen und ist dann nach und nach zum Jonglieren mit Pois gekommen (das sind Gewichte an langen Bändern und Ketten, von denen man mit zweien auf einmal Figuren in die Luft zaubert. Sehr schnell und kraftvoll).
„Man übt das Anfangs fast jeden Tag“, erzählte uns die Künstlerin. „Man hat die Dinger immer dabei, und dann habe ich immer mal zwischendurch geübt. Irgendwie bin ich dann mehr und mehr dazu gekommen, es auch einmal mit brennenden Spezial-Pois zu versuchen. Und nun bin ich voll dabei.“

Andre, der Dritte im Bunde, hat eine lange Laufbahn als Künstler und Artist. „Ich habe schon im Kinder- und Jugendzirkus begonnen“, berichtete er. „Und ich bin Sänger in einer Band und liebe Live-Rollenspiele. Für mich sind Auftritte vor Publikum etwas Faszinierendes. Da gibst du dein Bestes und freust dich, Kontakt zu Menschen aufzubauen und sie zu faszinieren.“

Lampenfieber? Na klar, das kennen die Feuerteufel.
„Aber nur dadurch bleibst du richtig gut“, meinte Andre, und seine Kollegen nickten. „Wenn Routine reinkommt wird man schlechter und verliert an Ausdruck. Die Zuschauer spüren die eigene Anspannung, und das reißt sie mit! Wenn mal Fehler passieren, was soll´s. Dann muss man locker bleiben und es zugeben. Wir sind alle Menschen.“

Fehler? Hu, bei flammenden Auftritten und erst recht beim Training, sind Fehler da nicht außerordentlich schmerzhaft. Und gefährlich?
„Du darfst keine Angst davor haben, dich zu verbrennen. Darum ist es zu Anfang am besten, du übst es, Schmerz auszuhalten. Man hält z.B. ganz bewusst seine Hand ins Feuer solange man es aushält.“
„Und beim Training und Auftritt holt man sich alle Augenblicke mal etwas ab“, sagte Nils. „Wir haben alle einige Narben und zählen sie nicht mehr. Aber natürlich haben wir auch genug Erfahrung, wie weit wir gehen können und riskieren nicht Kopf und Kragen. Das Ganze ist schon sehr mit Augenmaß!“
Man muss wissen, wie die Stoffe reagieren, wann sie entzünden und wie sie sich in Gase umwandeln. Beim Feuerspeien muss man die Öle in geeigneter Weise versprühen lernen, damit sie als feinverteilter Nebel genug Oberfläche bekommen und sich entzünden können. Geübt wird das erstmal mit Wasser, später mit den entflammbaren Stoffen. Und Gerätschaften, die wie Stäbe, Pois und Fackeln geschleudert werden, müssen rechtzeitig „ausgeschwungen“ werden, damit dann beim Jonglieren kein entzündetes Öl in die Menge spritzt oder die Künstler trifft. Wenn man dann die feuchten Geräte zu lange liegen lässt, gasen sie aus und bieten keine gleichmäßigen Flammen mehr. Hier kommt es also auf ein gewisses Timing an.

„Viel gefährlicher als das Feuer sind die giftigen Stoffe, mit denen wir es zu tun haben“, berichtete Nils. „Wenn du gewisse Erdölderivate einatmest oder gar verschluckst, dann sind schwerste Schäden möglich bis hin zum Tod. Also da muss man sich gut auskennen und gut vorbereiten. So ist es z.B. nötig, vor Feuerschluck- und Feuerspuck-Auftritten den Mund gut mit Olivenöl auszuwaschen, damit sich die Poren der Schleimhäute schließen.“ -

Wir erfuhren, dass die Auftritte der „Feuerteufelei“ keine festgelegte Choreografie haben.
„Einige Gruppen üben jeden Handgriff eines Auftrittes“, erzählten die Drei uns. „Wir machen das nicht. Wir wollen flexibel sein können und uns auf Situationen und Auftrittsorte frei einstellen können. Wenn man zuviel vorher plant, dann muss nur ein Fehler passieren, und man ist völlig aus dem Takt. Bei uns hängen halt gewisse Abläufe an unseren Gerätschaften. Wenn wir Fackeln, Speere, Fächer, Schwingen oder Pois in die Hand nehmen, dann wissen wir, was wir damit tun können und was nicht.“

Keine Choreografie, keine Auftrittsplanung? Aber kommt man sich dann auf der Bühne nicht leicht in die Quere?
„Naja, vor Ort überlegen wir uns dann schon eine gewisse Dramaturgie. Auf Volksfesten ist ein anderes Publikum als auf mittelalterlichen oder Fantasy-Events. Da stellen wir uns drauf ein. Insgesamt bringen wir unsere Show mit mehr Action und weniger Mystery als andere Gruppen. Auf jeden Fall sind wir ja schon durchs Training aufeinander eingestellt. Wir wissen in etwa, was der Andere macht und stimmen uns drauf ein. Aber der genaue Ablauf entsteht erst beim Aufritt.“
„Wir beziehen auch gern das Publikum mit ein“, erklärte Andre. „Und da bist du für spontane Reaktionen offen. Das wirkt besser, als wenn man ein fertiges Ding abspult!“

Lernen kann man das alles übrigens nur durch Ausprobieren und Tipps von einigen, wenigen Kollegen. Zur Feuerkunst gibt es keine Schulen und nur ein einziges Fachbuch. Diese Künstler sind Ausprobierer. -

In einer Sommer-Saison bringt es „die Feuerteufelei“ auf viele Auftritte, überall in Deutschland. Fast jedes Wochenende tritt die Gruppe mit ihrer Feuerkunst dann auf Volksfesten, Conventions, Mittelaltermärkten und auch Privatveranstaltungen auf.
„Ich habe das Ganze als Gewerbe angemeldet, schon weil ich auch einen Shop mit Feuerkunst-Equipement betreibe. Wir können, wenn alles gut läuft, von den Honoraren einiges an Fahrtkosten und Ausrüstung bezahlen, sodass sich das Ganze gut trägt. Bei Fantreffen sind unsere Honorare nicht so hoch, bei Firmenfeiern dann schon eher. Man muss ja bedenken, dass die Ausrüstung viel kostet. Ich mache Metallarbeiten und Schweißen selber, aber die Rohstoffe wie Aluminium, Aramid u. a. sind nicht billig. Und die Chemikalien, Lampenöle und Pyrofluite, kosten auch. Die meisten Geräte halten ein- zwei Jahre, aber dann müssen sie ausgewechselt werden“, erzählte Nils. „Und eine gute Versicherung habe ich auch laufen, falls mal was passiert. Zwar ist das auch Sache der Veranstalter, aber verantwortungsvolle Feuerkünstler sorgen vor. Wir machen auch immer vor dem Auftritt eine ausführliche Gefährdungsermittlung, um Schwachstellen auszuschalten.“
„Ja“, bekräftigte Andre, „manche Veranstalter machen sich über Brandgefahr viel zu wenig Gedanken. Wenn bei Innenauftritten Decken zu niedrig sind oder brennbare Fußböden, Gardinen oder so im Weg sind, dann muss das erst in Ordnung gebracht werden oder wir müssen auch mal einen Auftritt ablehnen. Meistens kann man alles gut hinbekommen, aber wenn nicht, dann gehen wir kein Risiko für uns und unser Publikum ein.“
„Wir haben auch immer Feuerlöscher und eine kleine Apotheke dabei, für alle Fälle!“

Geübt wird im Sommer im Freien, im Winter auch in einer Spezialhalle in Lübeck. 90 Prozent des Training erfolgt „kalt“, also ohne entzündete Utensilien. Da werden dann der Körper fit gehalten und die Bewegungsabläufe im Fleisch und Blut erhalten. Und eventuell neue Geräte und Ideen ausprobiert.
Eine besondere Idee ist „das Biest“. Hier hat Nils einen Rücken- und Brustpanzer plus Helm geschmiedet, und man kann gas Ganze mit Fackeln bestücken. Der Träger verwandelt sich in einen feuerzüngelnden Drachen und kann dann mit einem Partner zusammen ein aufregendes Schaukämpfen vorführen. Das kommt immer prima an!

Nach einer kurzen Vorbesprechung zogen die Drei von „der Feuerteufelei“ mit uns in den kalten Stadtpark, in dem hier und da sogar noch Schnee lag. In selbsterstellten Tornistern und Kisten wurden Batterie, Musikanlage, Gefäße, Bodenfackeln, Fackeln, Stäbe, Pois, Kämme, Schwingen, Seile (Robes), Flogger, das Biest sowie Kanister und Flaschen mit Chemikalien, eine Löschdecke und eine Plastikplane für den Matschboden mitgeführt. Live-Training stand – gerade auch im Winter – an.
„Länger als zwei Monate sollte man keine Pause machen“, erklärte Lilly. „Da wird man dann schon steif.“

Damit sich Kleidungsstücke nicht entzünden können, tritt man als Feuerkünstler entweder mit nackter Haut, oder schwerbrennbaren Kostümen aus Metall und Leder auf. So legten die Drei trotz winterlichen Temperaturen ab und uns wurde schon beim Zusehen kalt. Doch nach einigen akrobatischen Turnfiguren und Jonglier-Sequenzen schien den Feuerteufeln ausreichend warm zu werden und sie vollführten ein 90-Minuten-Training, erst „kalt“, dann mit Feuer, bei dem uns nur das Staunen blieb! Tolle Körperbeherrschung und eindrucksvolle Leuchteffekte kombinierten sich zu einem starken Erlebnis. –

„Wirbelnde Fackeln zerschneiden das Dunkel.
Ein Metallmonstrum mit brennendem Rücken greift an.
Und meterhohe Feuersäulen entsteigen dem Mund der Akteure.“

Wer mehr über diese Künstlergruppe wissen will: 'www.feuerteufelei.de' . Man kann Lilly, Nils und Andre auch zu privaten Feiern engagieren! Ein heißer Tipp!

Text von Thomas Kohlschmidt
Fotos von Klaus Wittmack und „Die Feuerteufelei“
Copyright der Reportage by WARP-online, März 2006