www.Fantastik-online.de -> Reportagen
Hirntest, Mord und Lust unter Palmen
Das fantastische Spektrum der „2. Glinder Autorennacht- OPEN MIKE 2007“
Am Abend des 28. September 2007 wurde das beschauliche Städtchen Glinde bei Hamburg zum zweiten Mal von einer gutgelaunten Autoren-Bande aufgesucht. Man traf sich – wie auch voriges Jahr schon - im schönen historisch-rustikalen Ambiente des „Alten Gutshauses“. Hier sollte erneut eine buntgemischte Lesung mit Musik stattfinden, bei der es quer durch alle Genres gehen würde: von Herzschmerz bis Grusel, von Alltagsbeobachtung bis hin zu bösem Krimi. Mal schräg satirisch und mal besinnlich. Gut gemixt halt! – Und der Erfolg des OPEN MIKE-2006 hatte sich wohl herumgesprochen, denn es wurde rappelvoll! Von überall her strömten Menschen heran, und es mussten sogar noch Stühle dazugeholt werden.
Veranstaltet wurde der Autorenabend von Tanja Woitaschek und ihrem Team von der Kulturabteilung Glinde, organisiert und moderiert von Rena Larf. Letztere begrüßte in gewohnt charmanter Art alle Anwesenden und wies auf den Büchertisch hin, an dem man in der Pause – neben Wein, Kürbissuppe und Gebäck – auch einen „literarischen Imbiss“ würde nehmen können.
Dann stellte Sie den Musiker Didi Pegel vor, der mit einem gut-gemischten Rock-, Blues- und Country-Cocktail für Auflockerung jeweils zwischen den verschiedenen AutorInnen und für angenehmen Ausklang des Abend sorgen würde. Mit Lou Reed, Elvis, Udo Lindenberg und den „Ghost Riders in the Sky“ ging es über die Route 66! Ein erster stimmungsvoller Song brachte den OPEN MIKE-2007 im Nu auf Spur.
Danach trat als Erster der Hamburger Autor und Fantastik-online-Redakteur Thomas Kohlschmidt ans offene Mikrophon und las seine düster-schräge Mystery-Geschichte „Das Center“, in der das Gebäude eines Einkaufszentrums zum Leben erwacht. Unter dem Titel „Testen Sie Ihr Gehirn drei Wochen For Free!“ stellte er außerdem satirische Überlegung zum Copyright in Deutschland an.
Den zweiten Lesepart bestritt die Autorin Sabine Scholze mit zwei leidenschaftlich-bösen Texten. In „Atmen jetzt“ geißelte sie Unarten von Autofahrern, die einem den Puls hochtreiben konnten, in „Weil nicht sein darf, was nicht sein kann“ nahm sie Männer aufs Korn, die alles besser zu wissen meinen. Ein Schuss Frauen-Power mit Mut zum Widerspruch.
Wolfgang Gogolin befasste sich als nächster Autor mit Beamten, die Probleme mit dem anderen Geschlecht haben und sich in der Geschichte „Fromm und Hagelstein“ mit einer neuen Kollegin herumschlagen müssen. Gut ausgewogen knöpfte er sich in seinem zweiten Text „Gelüste unter Palmen“ ironisch Macho-Männer und ihr Imponiergehabe vor. Sehr witzig!
Dann wurde es gefühlvoll, ernst und tiefsinnig: Die Autorin Heike Hartmann-Heesch,
beschrieb in ihrem Text „Im Winter trägt man morgens um 6 keine Sonnenbrille“ eindringlich die Sicht und Begrenztheit unglücklicher Seelen und in „Die Zeit stand still“ bot sie das Protokoll von Anfang, Entwicklung und Niedergang einer Liebesbeziehung. Das war atemberaubend gut beobachtet und umgesetzt.
In der Verschnaufpause konnte gegessen, geraucht, geplaudert und am Büchertisch gestöbert werden, und dann ging es schon mit Volldampf in die zweite Halbzeit.
Nach der musikalischen Einleitung von Musiker Didi trat mit Susanne Henke die Expertin für bitterböse Kurz-Krimis auf die Bühne. Und in gewohnt süffisanter Art und Weise beförderte die „Lederdame mit der rauchigen Stimme“ unliebsame Zeitgenossen unter die Erde. Die Storys „Rache ist süß“ und „Abgefüllt“ überlebten zwei Personen nicht... Gemein und fein!
Etwas warmherziger wurde es dann wieder mit dem Autoren Bernd Engels, der von Nöten, Freuden und Ängsten berichtete, über die nicht oft gesprochen wurde. Probleme mit Alter, Frauen und alltäglichem Kleinkram, humorvoll und lebensnah geschrieben. „Auf geht´s, Single“ und „Ein Mann, ein paar Gedanken und kein Wort“ boten amüsante Einblicke in Männerwelten.
Den Abschluss machte dann – gekonnt wie immer – die Moderatorin Rena Larf selbst. Mit „Tango Argentino“ hauchte sie dem Abend erotische Hitze ein, brachte den Saal richtig ins Schwitzen, um dann satirisch mit „Unarten eines Fast-Vierigjährigen“ einen Kontrapunkt zu setzen. Sehr schön gelungen und nochmals ein Highlight!
Mit kräftigem Gitarren- und Stimmeinsatz bot Didi Pegel ein musikalisches Feuerwerk zum Ausklang des Abends.
Und als sich alle Autoren und Macher auf der Bühne zum „Auf Wiedersehen-Sagen“ trafen, gab es vom Kulturteam Glinde als nette Geste eine kleine Flasche Sekt für jeden und vom Publikum viel Applaus. –
Ja, das war wieder ein äußerst gelungener Abend, der allen viel Spaß gemacht hat.
Und man kann sich schon aufs nächste Jahr freuen, in dem es dann hoffentlich wieder heißt: „OPEN MIKE-2008 – Glinder Autorennacht“!
Fantastik-online, September 2007
Fotos von Klaus Wittmack
Text von Thomas Kohlschmidt