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Ringcon 2007

von Arusha

Es folgte Andy Serkis Panel, auf das sich wohl schon viele der Ringcon-Besucher gefreut hatten. Wann hat man schließlich die Gelegenheit, Gollum persönlich zu begegnen? Andy erzählte uns, dass als er die Rolle übernahm noch gar nicht klar war, wie groß sein Part daran werden sollte. Eigentlich wurde nur seine Stimme für drei Wochen benötigt. Schnell stellte er dann fest, dass er dieses Wesen nur mit eigenem Körpereinsatz überzeugend vertonen konnte. Die Idee zu den Würgelauten, die so typisch für Gollum sind, sei ihm gekommen, als er seine Katze dabei beobachtete, wie sie morgens in seiner Küche versuchte, einen Fellballen auszuwürgen. Da sag ich nur: Guten Appetit!
Im Laufe der Dreharbeiten stellte dann Peter Jackson fest, dass es für Elijah Wood und Sam Astin enorm schwierig war, zu agieren, ohne einen richtigen Gollum vor sich zu haben, weil bis zu dem Zeigpunkt Gollum rein digital erzeugt werden sollte. Also kam Peter auf die Idee, einen echten Schauspieler zur Hilfe zu nehmen. Genau das war der Anfang der Entwicklung zu einem von Andy dargestellten und dann später digitalisierten Gollum wie wir ihn kennen. Nach den Bewegungen kam mit der Weiterentwicklung der technischen Möglichkeiten dann die Mimik hinzu. Genau diese Mimik zeigte Andy auch von Zeit zu Zeit auf der Bühne, und wir bekamen einen lebhaften Eindruck von seiner Arbeit. Andy erzählte uns auf die Frage hin, ob er lieber böse Charaktere spielt, dass er nicht glaubt, dass es den rein bösen Charakter überhaupt gibt, denn auch der „Böse“ glaubt, richtig zu handeln aus seinem Blickwinkel. Andy hatte ganz schöne Angst, Gollum darzustellen, weil der Charakter so bekannt war und daher hohe Erwartungen an die Darstellung gestellt wurden. Für ihn gibt es allerdings keinen Unterschied zwischen einem animierten und einem dargestellten Charakter. Beide sind für ihn gleich real, denn für beides muss er seine gesamte Vorstellungskraft einsetzen, um glaubwürdig zu sein.
Schon während den letzen Drehtagen zu Herr der Ringe kam die Anfrage an Andy von Peter Jackson, ob er nicht auch King Kong verkörpern könnte. Andy nahm begeistern an und machte sich an die Herausforderung, den Charakter des Affen herauszuarbeiten. Schließlich sollte das Publikum nicht eine Maske sehen, sondern eine richtige Beziehung zu ihm aufbauen können. Die neue Herausforderung an Kong war vor allem, die längeren Gliedmaßen eines Affen bewegungsmäßig umzusetzen.
Zum Ende des Panels bekam das Publikum noch einen musikalischen Bonus. Andy sang uns „You´re the one that I want“ (aus Grease) mit Gollums Stimme vor. “You´re the one that I want, my precious.” Herrlich!

Die anschließende Auktion wurde wie schon die Jahre zuvor von Mark Ferguson geleitet, unterstützt von Lori, Thomas, Jonathan und Jed, der es schaffte, Craig auch hier würdevoll zu vertreten. Was hieß: Unterhaltung pur!


Der Kostüm-Wettbewerb zeigte wie schon so oft, wie viel Talent in den Fans schlummert. So wurde uns unter anderem ein Ork auf Brautschau, ein Elb, der etwas „gewöhnlicher“ rüber kam (schon mal nen Elb im Jogginganzug mit sächsischem Dialekt gesehen? Es gab Bauchschmerzen vor Lachen, aber das lässt sich nicht beschreiben. Das muss man sich anschauen ... auf der DVD) und rappende Höhlentrolle präsentiert. Die Pause, die die Jury zur Beratung benötigte, verkürzte uns Ringstar Mark Blasberg, der uns als Faramir musikalisch und kostümtechnisch die Wandlung des einfachen Waldläufers aus Ithilien zum Soldaten und Anführer Gondors darbot. Ergreifend und brillant wie immer. Danke, Mark.

Siehe auch 'Kostüme:'
Kostüme Teil 1
Kostüme Teil 2
Kostüme Teil 3
Kostüme Teil 4

Es folgte der Party Teil des Samstages. Zuerst wurde uns im Hauptsaal ein Konzert von John Kelly und seiner Frau Maite Itoiz geboten. Tja, mir hat das nicht so gefallen, und ich bin nach drei Liedern gegangen. Musik ist eben Geschmacksache. Vor allem hat mich extrem gestört, dass man zum Beispiel eine E-Gitarre hörte und sah, die leider aber gar nicht angeschlossen war. Es schien so einiges vom Band zu kommen. Das ist nicht mein Ding. Ein Konzert sollte live sein, und zwar vollständig.
Welch ein Hochgenuss war dann das anschließende Schelmish-Rock-Konzert. Alles live und mitreißend gespielt. Die Schelme rockten das Esperanto in Grund und Boden!
Nass geschwitzt und aufgeheizt ging es anschließend in die Bar, in der der Abend mal wieder erst am frühen Morgen in Hochstimmung ausklang.

Über Panels am Sonntag kann ich leider keinen Bericht abliefern, denn ich nutzte erneut die Gelegenheit, an einem Workshop teilzunehmen, den ich mir schon sooo lange vorgenommen hatte. Morgens um 10:00 Uhr sollte es losgehen mit Schwertkampf. Der Workshop entwickelte sich zu einer Mischung aus Stunt und Schwertkampf, machte einen irrsinnigen Spaß, und ich wollte gar nicht mehr aufhören. Hab ich auch nicht, denn als es dann um 12:00 Uhr hieß: „Jetzt proben wir die Dinge, die wir auf der Closing zeigen wollen.“ blieb ich dabei und kämpfte bis zum späten Nachmittag mit Elan und lautem Gebrüll. Ok, meine Stimme war nach zwei Konzerten und zwei Partys sowieso schon angeschlagen. Am Abend war sie dann so gut wie nicht mehr hörbar. Machte nix. Wer nach ner Con noch völlig fit ist, hat die Con nicht ausgiebig genug erlebt. Oder so ;-)

Und so kam es, dass ich anstatt wie sonst ruhig und etwas müde die Closing von meinem Platz aus zu genießen, mich hinter der Bühne wiederfand und meinem kurzen Auftritt entgegen fieberte.
Trotzdem bekam ich noch genug mit, als der Elbenchor diesmal nicht nur Lieder aus Herr der Ringe darbot, sondern uns auch ein Gänsehautgefühl bescherte mit einem Stück aus Flucht der Karibik 3. Alexandra Felten und ihre Workshop-Teilnehmer brachten uns auf gewohnt amüsante Weise die Legende von Sir Gawain näher und der Tanzworkshop zeigte uns, dass man schon in wenigen Stunden lernen kann, sich einigermaßen vorzeigbar auf der Bühne zu Musik zu bewegen.
Dann folgte unser Stunt-Auftritt. In kleinen Gruppen zeigten wir nacheinander, was wir so gelernt hatten: Schwertkampf, Faustkampf, fallen, brüllen, eben alles, was dazu gehörte. Mit der Unterstützung von Jed, Kiran, John Kelly und seiner Frau und natürlich unserem Lehrer Ben Schamma konnten wir, so hoffe ich, das Publikum einigermaßen unterhalten.

Dann folgte das Unvermeidliche: Die Verabschiedung. Natürlich ohne Andy, der ja wie schon erwähnt nur Samstag da war. Auch Thomas hatte die Con bereits verlassen, verabschiedete sich aber von uns mit einem Videoclip seiner Abreise. Mark versprach uns noch, das Craig das nächste Mal wieder dabei sein wird. Ein kleiner Trost im bereit aufkommenden Con-Blues.

Dann war alles vorbei. Der letzte Applaus verhallte, das Licht im Hauptsaal ging wieder an. Viele verließen das Gelände nicht bevor sie sich nicht noch von neuen und alten Freunden verabschiedet hatten. Der kleine Raum vor der Rezeption füllte sich mit Koffern und sich umarmenden Menschen. Eine wunderbare Con war zu Ende.

Ich war immer froh, noch eine weitere Nacht in Fulda zu verbringen. So klang für mich die Con in der Bar am Sonntagabend und bei einem gemütlichen Frühstück mit Freunden am Montagmorgen erst aus. Und dann ging´s nach Hause. Leider.
Aber wie sag ich immer? Nach der Con ist vor der Con.



Text und Fotos von Sabine Ludwig, Fantastik-online, November 2007.