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„Nummer 6 – The Prisoner“:
Die Fans des Unbeugsamen
Am 25. September 2010 wurde gefeiert!
Denn nach über 40 Jahren ist ein Wunder geschehen: Erstmals konnte wir im Sommer in deutschen Landen endlich die KOPMPLETTE Staffel „Nummer 6 – The Prisoner“ von und mit Patrick McGoohan sehen. Damals, als die eigentlich 17-teilige Serie im August 1969 im ZDF anlief, hatte man vier Folgen unterschlagen. Ob das nun geschah, um das seinerzeit übrige Sendeformat mit 13 Folgen zu erzwingen, oder aber ob vier Folgen der ungewöhnlichen Serie den TV-Machern zu „ungemütlich“ waren, darüber gibt es bis heute verschiedene Theorien (immerhin fehlte mit „Free for All“ eine der bissigsten Episoden, die Kritik an der modernen Demokratie übte)…
Der sonst vielfach hochgelobten Serie erging es in Deutschland überhaupt eher schlecht. Sie wurde – wenn denn doch einmal – zu ungünstigen Sendezeiten ausgestrahlt und war nun satte 18 Jahre überhaupt nicht auf dem Bildschirm gewesen. Doch im Zeitalter der DVDs und der Retro-Besinnung auf die 60er und 70er Jahre kommt Nummer 6 doch noch zu verdienten Ehren. Die Serie erringt eine Fülle von Lob-Artikeln in Presse und Internet. Und vier nach-synchronisierte Folgen plus Komplett-Ausstrahlung! Danke ARTE, für die wunderbare Restaurations-Arbeit, die mit Unterstützung der deutschen Fans umgesetzt wurde. Damit wurde endlich eine der größten „Wunden“ des deutschen TV geschlossen!
Die Fans trafen sich danach zum vierten Mal in Gießen, um den Geheimagenten zu feiern, der – seines Namens beraubt – als „Nummer 6“ in einem der ungewöhnlichsten Gefängnisse aller Zeiten festsitzt: im scheinbar schönen Ort „The Village“. Dieser sieht wie ein Sommerurlaubs-Paradies aus, beherbergt aber eine totalitäre Unterdrückungs-Gemeinde, gegen die das Individuum „Nummer 6“ Folge für Folge aufbegehrt und ausruft „Ich bin keine Nummer – Ich bin ein freier Mensch!“
Gerade dieses existentialistische Ringen des Einzelnen mit den Anpassungsmechanismen der menschlichen Gesellschaft fasziniert bis heute, zumal das Ganze spannend, mysteriös und auch mit trockenem Humor perfekt inszeniert ist. Dabei tun der charismatische Hauptdarsteller und das schlüssige Design der Serie ihr übriges. Das ist wahrhaftig echter Kult, um das heute oft missbrauchte Wort einmal an der richtigen Stelle zu gebrauchen! Und die Serie gibt bis heute Anlass zu Diskussionen, wo sie eigentlich genau einzusortieren ist: Science Fiction? Utopische Agentenserie? Mystery? Surreales Psychodrama? Manche Medien-Experten behaupten sogar, ohne „Nummer 6/The Prisoner“ hätte es Serien wie „Akte X“ oder „LOST“ nie geben können – Wie schon der kämpferische Nummer 6 entzieht sich „The Prisoner“ einfach jedem Schema. Faszinierend! –
In Gießen wurden am Nummer 6-Tag gleich mehrere interessante Berichte geboten: über das erste Fan-Treffen in Portmeirion (dem Drehort, der tatsächlich als Hotelkomplex in England existiert), über die Synchronarbeiten bei ARTE (Fan-Vorschläge zu Synchronsprechern und Übersetzungen wurden vom Sender übernommen) und mit vielen Bildern von Portmeirion selbst. Es gab Informationen über die anstehenden Serien-Veröffentlichungen auf neuer DVD und bluray. Und man konnte eine liebevoll arrangierte Ausstellung von Sammlerstücken und Eigenbauten bewundern, u.a. mit der „Resigned“-Aktenbox aus dem Serien-Vorspann.
Nächstes Jahr wollen deutsche Fans vom 8. April bis 10. April 2011 nach England fahren, um dort an der Prisoner-Convention in Portmeirion selbst teilzunehmen. Wer sich dafür, für die Aktivitäten des deutschen Fandoms und/oder „Nummer 6/The Prisoner“ interessiert, sollte unbedingt auch die informative und schön gestaltete Site www.nummer6-theprisoner.de besuchen. Hier finden sich großartig bebilderte Rückblicke auf den historischen Serienstart im Jahr 1969 in Deutschland, über den Erfinder der Serie und Titel-Schauspieler Patrick McGoohan und über all die vielen kleinen und großen Geheimnisse zur wohl erstaunlichsten TV-Serie, die je gelaufen ist.- Wir sehen uns!
Text von Thomas Kohlschmidt, Fotos von Dr. Joachim Slupek - Fantastik-online, September 2010