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"Making of"
Sternentheater Fiffikus
Wie Kasperle in den Weltraum kam.
„SciFi-Satire einmal ganz anders“, das wollten wir Organisatoren vom Fantastik-Dinner Hamburg gern hinkriegen. Seit Sommer 1999 spielen wir Sketche und Pantomimen auf unseren Fan-Treffen und haben damit uns und anderen viel Spaß machen können. Aber es juckte in den Fingern, das Ganze noch ein wenig schräger auf die Bühne zu bringen. Und in einer etwas losen Stimmung kamen wir auf die Idee, was wäre, wenn wir mit selbstgemachten Handpuppen an den Start gehen würden.
Handpuppen? So etwas wie die Muppets? Oder wie bei der Augsburger Puppenkiste? Kasperle-Theater? – Was wäre denn gut zu realisieren? – Zunächst gab es die Idee, sich Socken über die Hände zu ziehen und sie wie Kermit, dem berühmten Frosch, mit Augen und Mund zu versehen. Bernd probierte mit Socken, Schaumstoff und Pappelementen. Die Figuren sollten in jedem Fall ihre Münder bewegen können. Leider gab es doch keine so große Ausdrucksvielfalt der Gesichter, wie gedacht. Da wir verschiedene Charaktere basteln wollten, wären auch unterschiedliche Kleidungen zu Wechseln wichtig. Das hielt auf Socken jedoch nur mit entsprechenden Klettband. Am besten wären eigentlich vollständig selbst geschneiderte Figuren gewesen, um unsere Vorstellungen zu realisieren. Auch die Kleidung müßte dann aus Stoff sein. Da hätte man viel nähen müssen. Ein Gebiet, wo wir noch sehr unerfahren sind. Somit mußte die Idee „Sock-Trek“ (vorerst) fallen gelassen werden.
Beim Basteln ergab sich jedoch eine interessante Konzeptvariante, die sich mit weniger Aufwand und schneller umsetzen ließ: Flachpuppen aus Holz mit einer Mechanik. Unser Hobbytischler Bernd, stelle eine Konstruktionsskizze vor. In einem ersten funktionalen Entwurf bestand die Puppe aus dicker Pappe, die auf einem Holzgriff montiert ist. Die Figuren weisen nur eine Seite auf und können den Mund so wie die Typen von South Park bewegen. Die Ärmchen wurden mit Drähten von unten aus gespielt. Köpfte und Kleidung waren jetzt aus farbigem Papier und durch Aufstecken einfach auszutauschen.
Die Konstruktion wurde noch einmal verbessert und dann drei Puppen hergestellt. Viel mehr Puppenspieler hatten hinter der Bühne auch nicht Platz. Die Mechanik war so konstruiert, dass man die Figur unten am Griff mit einer Hand halten konnte und mit dem Daumen den Mund entsprechend der Sprechbewegung nach unten ziehen kann. Das Gummiband zieht den Mund dann wieder nach oben. Mit der anderen Hand wurden die Drähte für die Ärmchen bedient.
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Wenn für einen anderen Auftritt andere Charaktere benötigt wurden, konnte man diese Grundkonstruktion immer wieder benutzen und lediglich andere Köpfe und Kostüme aufstecken.
Dazu brauchten wir eine Bühne, eine Art Kasperletheater, das aber leicht zusammen- und auseinander zu bauen sein musste. Auch sollte es gut zu transportieren sein, von Dinner zu Dinner.
Ein erstes Drehbuch wurde angedacht und definiert, dass wir zum Start des Projektes doch vier Puppen brauchen würden. Mehr würden auf der kleinen Bühne zu verwirrend sein, und vier Puppenspieler wären wirklich das Äußerste, was gerade noch Platz hätte. Wenn die Puppen ihre Position tauschen, würden sich die Spieler hinter der Bühne schon richtig in die Quere kommen.
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Es mussten vier einprägsame und gut zu unterscheidende Figuren mit Wiedererkennungswert sein. Spock ist als Spitzohr so ein optischer Volltreffer, Picard mit seiner Glatze auch. Lieutenant Candy aus unserer Parodie-Serie „Raumschiff Bermuda“ käme als Blondschopf auch gut. Und was als vierte Figur?
Dazu machten wir uns an das Drehbuch, an die Story vom ersten Stück. Wer konnte der „Gegner“ sein, wer die Bedrohung, denn in jedem coolen Stück kommt ein Konflikt vor. Keine Spannung ohne Gefahr! Und natürlich keine bösen Worte mit nur drei braven Charakteren, wie Picard, Spock und Candy. Kurz vorher hatte Thomas den Film „AI“ von Stephen Spielberg gesehen und sich an die Figur des Teddy erinnert. Im Mix mit etwas gedachter Bosheit entstand durch diese Inspiration unser „Psycho-Bär“. Der Rest der die logische Weiterentwicklung zur doppelten Pappfigur: lieber Bär/böser Bär.
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So weit, so gut. Trotzdem war die Gesamtwirkung noch nicht rund. Ein Science-Fiction Puppentheater mit stilisierten Charakteren ist optisch schräg und neu. Ein normaler einfacher Text wirkte dagegen zu gewöhnlich; geradezu ein Bruch. Die schrägen Figuren wollten wir daher noch durch eine besondere Form der Sprache unterstützen. Alles würde noch irrwitziger werden, wenn die Charaktere in Reimen sprechen würden. Für einen Auftritt steckten wir uns das Ziel, ein etwa 10-minütiges Satirestück in Gedichtform zu präsentieren.
Damit war die Vorplanung zu Ende. Thomas ging daran, den ausgedachten Figuren das Stück auf den Papp- und Holz-Leib zu schreiben. Bernd fertigte die Figuren und das Theater.
Text von Thomas Kohlschmidt und Bernd Timm
Fotos von Klaus Wittmack, Thomas Kohlschmidt und Bernd Timm
Copyright by Fantastik-online, Februar 2009.
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