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Der Höllenexpress
von Volker Krug
Die ESA wird dieses Jahr 30. Mit der anspruchsvollen Mission „Venus Express“ setzt die ESA ihre Reihe bisher erfolgreicher unbemannter Planetenerkundungen fort und macht sich ein besonderes Geschenk.
Durchschnitt. Abstand zur Sonne |
108.200.000 km |
Aufgrund ihrer Größe und der Dauer eines Jahres wird die Venus immer gerne als der Zwillingsplanet oder die Schwester der Erde bezeichnet. Man schätzt, daß der geologische Aufbau ebenfalls der Erde ähnelt: ein Eisen-Nickel-Kern, umgeben von einem Mantel und darauf eine dünne Kruste. Die Rotation der Venus ist gegensätzlich zu der der Erde. Auf der Venus geht die Sonne im Westen auf und im Osten unter.
Während aber die Erde sich zu einer Wiege des Lebens entwickelt hat, entpuppt sich die andere Dame als wahre Höllenbrut: Wolken aus Schwefelsäuretröpfchen, ein Luftdruck, der einen Menschen sofort zerquetschen würde und Temperaturen, bei denen sogar Luzifer der Boden unter den Füßen brennt. Das Ganze ergibt einen Super-Treibhauseffekt. Während in höheren Lagen Hurricane toben, die die mächtigsten irdischen noch in den Schatten stellen, ist es auf der Oberfläche relativ windstill. Die Auswertung von Radaraufnahmen hat ergeben, daß es weder Meere noch Seen oder sonst Wasser in flüssiger Form gibt. Dafür existieren unzählige Vulkane, darunter wahre Giganten. Der Theia Mons zum Beispiel würde die Fläche Deutschlands einnehmen. Gigantische Lavamassen haben die Venus größtenteils überflutet. Ob es aber noch Vulkanaktivitäten gibt, ist nicht ganz sicher. Dafür waren die Möglichkeiten einen Blick durch die undurchdringliche Wolkendecke auf die Oberfläche zu werfen zu kurz. Die Raumsonde Venus Express soll jetzt Aufklärung bringen.
Mit Venus Express setzt die ESA ihre Reihe sehr erfolgreicher Missionen zu den Planeten fort: Mars Express, SMART-1 (Mond) und die sensationelle Landung der Sonde Huygens auf dem Saturnmond Titan.
Um 04.33 Uhr MEZ hob die Sonde an Bord einer Sojus-Fregat-Rakete von ihrem Startplatz in Baikonur in Kasachstan ab. Die ca 1,2 Tonnen schwere Sonde wurde unter Leitung von EADS Astrium mit 25 Vetragspartnern aus 14 Ländern gebaut. Mit der zweiten Zündung nach 82 Minuten wurde die Sonde auf ihre interplanetare Flugbahn gebracht. Nach zwei Stunden wurde durch das Europäische Raumflugkontrollzentrrum (ESOC) in Darmstadt der Kontakt zur Sonde hergestellt. Die Sonde hat sich im Verhältnis zur Sonne richtig ausgrichtet und die Sonnensegel voll entfaltet. Alle Systeme an Bord von Venus Express funktionieren einwandfrei.
Die Sonde befindet sich nun auf einer 350 Millionen Kilometer langen Reise durch das innere Sonnensystem. Falls erforderlich wird im Januar auf halben Weg eine Kurskorrektur vorgenommen. Der Einschuß in eine Umlaufbahn um die Venus wird schwieriger sein als beim Mars. Da die Venus etwa die Größe der Erde hat, ist sie über siebenmal massereicher als der Mars und besitzt ein entsprechendes Gravitationsfeld. Bei ihrer Umrundung des Planeten, der zwei Venustage dauern soll, nimmt die Sonde Entfernungen von 250km (für Nahaufnahmen) und bis zu 66 000km (für globale Aufnahmen) ein. Am 11. April 2006 soll die Sonde die Venus erreicht haben.
Die Sonde beruht im Grundsatz auf der Architektur von Mars Express muß aber in einer völlig anderen Umgebung funktionieren. Dafür waren einige Veränderungen nötig. Zum Beispiel die Wärmesteuerung. Während Mars Express versuchen muß, Wärme aufzunehmen, muß Venus Express versuchen Wärme abzuleiten.
Die Mission von Venus Express ist es, die Chemie, Struktur und Dynamik der Atmosphäre zu untersuchen. Sie ist gekennzeichnet durch extreme Temperaturen und Drücke, einem enormen Treibhauseffekt sowie einer Supperrotation. Die Atmosphäre bewegt sich einmal alle vier Erdentage um den Planeten. Die Sonde ist auch die Erste, die die Venus im Infrarotbereich beobachten wird.
Untersucht werden auch Temperatur und Zusammensetzung der Atmosphäre je nach Höhe. Gemessen werden soll die Oberflächentemperatur. Geforscht wird nach vulkanischen Aktivitäten.
Da die Venus kein Magnetfeld wie die Erde besitzt, wird auch erforscht, wie der Sonnenwind mit der oberen Atmosphäre wechselwirkt.
2013 will die ESA die Mission BepiColombo zum Merkur starten. Warp-online wird natürlich auch darüber berichten.
Quelle: ESA, Copyright der Bilder: ESA, Starsem-S. Corvaja, C. Carreau, NASA